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Amphibiensterben

Ursprung des Froschkillers geklärt

Weltweit rafft es Frösche in Rekordzeit dahin. Schuld daran ist eine tödliche Pilzerkrankung. Stammt sie aus Korea?
Chinesische Rotbauchunke

Batrachochytrium dendrobatidis heißt der Übeltäter, auf dessen Konto in den letzten Jahrzehnten wohl das Aussterben dutzender Frosch- und Krötenarten geht. Der Pilz löst eine tödliche Hautkrankheit aus, die auf der ganzen Welt in Rekordzeit Bestände und komplette Spezies auslöschen kann – selbst in entlegenen und von Menschen sonst kaum beeinträchtigten Lebensräumen. Hunderte weitere Arten gelten deshalb als gefährdet. Bislang deutete vieles darauf hin, dass der Erreger aus Südafrika stammen könnte und mitsamt den dort heimischen Krallenfröschen rund um den Globus exportiert wurde – die Tiere dienten früher als lebender Schwangerschaftstest. Doch eine neue Analyse des Pilzgenoms durch Simon O'Hanlon vom Imperial College in London und sein Team in »Science« legt nun einen gänzlich anderen Herkunftsort nahe. Der Erreger stammt demnach von der koreanischen Halbinsel, er wurde von dort aber ebenfalls durch den Tierhandel verschleppt.

Die Wissenschaftler hatten rund um den Globus verschiedene Linien des Chytridpilzes eingesammelt und deren Genom untersucht. Zusammen mit dem Material vorheriger Erbgutstudien des Pathogens konnten sie 234 Proben analysieren. Insgesamt ermittelten sie vier genetische Linien von Batrachochytrium dendrobatidis, wovon drei weltweit verbreitet sind, während die vierte ausschließlich in Korea vorkommt und die höchste genetische Vielfalt aufweist. Sie kommt ausschließlich auf Arten der Halbinsel vor und weist keine Spuren der anderen drei Linien auf. Diese Linie gilt daher als ursprünglichste der bekannten Varianten und ist für die Biologen daher die »Mutter« des Killers.

Anhand der Mutationsraten zwischen der Ausgangslinie und den anderen Varianten berechneten O'Hanlon und Co, wann sich die tödlichen Varianten abgespalten haben: Das geschah in einem Zeitraum vor 50 bis 120 Jahren und damit auch in dem Bereich, in dem der internationale Handel mit Amphibien begann und rasch Millionen Tiere umfasste, die auf der ganzen Welt verschifft wurden. Neben den als Schwangerschaftstest verwendeten Krallenfröschen – die immun gegen die Krankheit sind – betraf dies hunderte weitere Arten, die als Haustiere oder im Kochtopf (Froschschenkel!) endeten.

Nicht alle Frösche und Kröten sind gleichermaßen von dem Pathogen betroffen: Während Arten wie die Krallen- oder Ochsenfrösche nicht unter dem Pilz leiden, raffte es in Lateinamerika zahlreiche Stummelfußkrötenarten hinweg, vielfach bis zur Ausrottung. Ersten Anzeichen zufolge könnten manche Arten langsam resistent gegen den Erreger werden, doch das ursprüngliche Problem bleibt bestehen. Solange der weltweite Handel mit Amphibien nicht strikter reglementiert oder unterbunden werde, sei weiterhin mit Seuchen zu rechnen, so die Wissenschaftler. Ein trauriges Beispiel zeichnet sich gerade in Mitteleuropa ab: Seit einigen Jahren breitet sich auch hier zu Lande ein Salamandersterben aus, das ebenfalls durch einen Chytridpilz ausgelöst wird – und dieser stammt wohl ebenfalls aus Ostasien und kam über infizierte Terrarientiere hierher.

20/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 20/2018

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