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Gefährliche Reptilien: Urzeitkrokodil jagte unsere frühen Vorfahren

In der prähistorischen Welt, in der die berühmte Lucy lebte, war es riskant, sich dem Wasser zu nähern. Denn dort warteten meterlange Panzerechsen.
Eine künstlerische Illustration zeigt eine Szene in der Natur. Im Vordergrund kniet ein menschenähnliches Wesen am Ufer eines Gewässers und trinkt Wasser mit den Händen. Unter der Wasseroberfläche ist ein Krokodil zu sehen, das in Richtung des Wesens blickt. Im Hintergrund stehen zwei okapiähnliche Tiere am Waldrand. Die Szene vermittelt eine ruhige, aber spannungsvolle Atmosphäre.
Ein Krokodil der Spezies Crocodylus lucivenator nähert sich einem Vormenschen, der am Ufer trinkt (Illustration).

Lucy, die »Ururgroßtante des Menschen«, lebte gefährlich. Sie musste viele todbringende Raubtiere fürchten – darunter gewaltige Krokodile, die in Flüssen und Seen lauerten. Eine Forschungsgruppe um Christopher Brochu von der University of Iowa beschreibt jetzt eine solche Krokodilspezies, die zu Lucys Zeiten existierte und bisher unbekannt gewesen war.

Das Reptil mit der Artbezeichnung Crocodylus lucivenator (»Lucys Jäger«) lebte vor 3,4 bis 3 Millionen Jahren und damit zeitgleich mit Lucy und ihren Artgenossen (Australopithecus afarensis) – und in derselben Region im heutigen Äthiopien. Es wurde bis zu 4,5 Meter lang und schätzungsweise bis zu 600 Kilogramm schwer. Das Tier war ein dominanter Räuber und laut den Fachleuten damals wahrscheinlich die einzige Krokodilspezies in der Region. Buschland, Feuchtgebiete und Flüsse prägten seinen Lebensraum. Brochu und sein Team beschreiben das Reptil als klassischen Lauerjäger: Es verharrte laut- und regungslos im Wasser und stürzte sich auf geeignete Beute, die zu nahe herankam.

»Es war das größte Raubtier in diesem Ökosystem, größer als Löwen oder Hyänen, und eine enorme Bedrohung für unsere damaligen Vorfahren«, schildert Brochu in einer Pressemitteilung. Nahezu sicher habe es auch Lucys Artgenossen gejagt. »Ob je ein solches Krokodil versucht hat, Lucy selbst zu packen, wissen wir natürlich nicht. Aber hätte es sie gesehen, hätte es sich gedacht: ›Abendessen‹.«

Laut dem Wissenschaftler zeigt Crocodylus lucivenator eine ungewöhnliche Kombination anatomischer Merkmale. Es besaß einen großen Höcker mitten auf dem Schnauzenrücken, ähnlich dem amerikanischen Spitzkrokodil (Crocodylus acutus), aber untypisch für das afrikanische Nilkrokodil (Crocodylus niloticus). Die Forschungsgruppe vermutet, dass jener Höcker für die Partnerwahl wichtig war. Außerdem habe das Tier eine für seine Zeit ungewöhnlich lang gezogene Schnauze gehabt – ein Merkmal, das eher bei moderneren Arten zu finden sei.

Brochu und sein Team hatten 121 fossile Überreste dieser Urzeitkrokodile – vor allem Schädel, Zähne und Teile der Kiefer – von Dutzenden Individuen untersucht. Die Fossilien stammen aus der Afar‑Region in Äthiopien. Dort kommen seit Jahrzehnten bedeutende Zeugnisse der prähistorischen Vergangenheit zutage, darunter die Überreste Lucys und anderer Vormenschen.

Eines der Crocodylus-lucivenator-Fossilien zeigt mehrere teils verheilte Verletzungen am Kiefer. Sie deuteten darauf hin, dass Vertreter dieser Spezies miteinander gekämpft hätten, sagt die Paläobiologin Stephanie Drumheller von der University of Tennessee, die an der Studie beteiligt war. Bisse in den Kopf während solcher Kämpfe seien auch von anderen Krokodilarten bekannt.

  • Quellen
Brochu, C. et al., Journal of Systematic Palaentology 10.1080/14772019.2026.2614954, 2026

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