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Dinosaurier: Urzeitechsen trugen extrem harte Panzer

Einige Dinosaurierarten verfügten zum Schutz vor Feinden über sehr harte Knochenpanzer, deren Aufbau erstaunlicherweise heutigen Werkstoffen in schusssicheren Westen ähnelt. Manche "Rüstungen" bestanden auch aus kleinen Knochenröhrchen, so genannten Osteonen, die bei den Sauriern zusätzlich mit Kollagenfasern verstärkt waren und so Stabilität lieferten.

Selbst die Augenlider mancher Spezies waren mit Knochenplatten gepanzert, ihre Schwänze liefen zu knöchernen Keulen aus. Die heutigen Krokodile sehen ähnlich aus, aber die Feinstruktur ihrer Panzer unterscheidet sich stark von denen der Pflanzen fressenden Ankylosaurier. Sie trugen hunderttausende kleine Panzerplatten, die flexibel nebeneinander auf der Haut lagen und so unter Druck nur schwer zerbrachen.

Laut Thorsten Scheyer und seinen Kollegen von der Universität Bonn waren in den Knochenkalk des Panzers Kollagenfasern eingewebt und bildeten dabei dreidimensional ineinander verschlungene Matten. Vergleichbare Strukturen – allerdings aus Kohlefasern – finden sich heute in den Verbundwerkstoffen der Rotoren von Windkraftwerken oder in schusssicheren Westen.

Eine weitere Gruppe der Ankylosaurier perfektionierte ihre Rüstung noch weiter und baute sie aus so genannten Havers'schen Knochen auf. Dabei handelt es sich um Knochenröhrchen – Osteone –, wie sie auch beim alternden Menschen auftreten, wenn sich die Bälkchen im Knocheninneren auflösen und durch Röhren ersetzt werden. Beim Dinosaurier führen sie allerdings nicht zu Substanz- und damit Stabilitätsverlust, sondern werden im Gegenteil mit Kollagenfasern verstärkt. Letztendlich festigt dieser Um- und Einbau die Panzerung, obwohl sie dadurch sogar leichter wird.

Die ersten Ankylosauriden traten im späten Jura auf und lebten in der gesamten nördlichen Hemisphäre. Sie starben gegen Ende des Mesozoikums aus.

Kollagen ist ein Protein, aus dem sich Bindegewebe, Sehnen und Knorpel aufbauen. Bei den Ankylosauriern bildeten sich die Knochenplatten im Bindegewebe und umhüllten dabei das bestehende Kollagen. Bei der Fossilisation wird das Gewebe durch Minerale ersetzt.
18.11.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 18.11.2004

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