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Tierversuche: US-Umweltbehörde will ab 2035 auf Tests an Säugetieren verzichten

Um die Giftigkeit von Stoffen zu ermitteln, werden in großem Stil Tierversuche durchgeführt. Die US-Behörde will dieser Praxis in einem umstrittenen Schritt ein Ende bereiten.
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Die US-Umweltbehörde EPA will ab 2035 komplett auf Tierversuche mit Säugetieren verzichten. Bis dahin sollen, beginnend ab 2025, die Zahl der Tests um 30 Prozent verringert werden. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die die Behörde auf ihrer Website veröffentlichte.

Die Entscheidung hat potenziell große Tragweite, denn als Stelle, die über die Zulassung neuer Substanzen entscheidet, ist die EPA ein Hauptakteur auf dem Gebiet der Tierversuche. Um zu ermitteln, ob ein Stoff giftig ist oder aber unbedenklich in Umlauf gebracht werden kann, sind nach derzeitigen Regeln eine Vielzahl von Tierversuchen nötig.

4,25 Millionen US-Dollar will die Einrichtung nun in die Erforschung von alternativen Verfahren stecken. Das Geld soll als Fördermittel an fünf US-amerikanische Universitäten fließen. Die Einsatzmöglichkeiten solcher Alternativen seien jetzt schon weit fortgeschritten, erläutert Behördenleiter Andrew Wheeler in dem Schreiben.

Vertreter von Tierschutzorganisationen begrüßten den Schritt. Im Wissenschaftsmagazin »Science« sagte Justin Goodman von der Organisation White Coat Waste Project, die seit Jahren gegen Tierversuche kämpft, die Tests zur Bestimmung der Toxizität eines Stoffs seien ohnehin »nicht zuverlässig und irreführend«. Trotzdem müssten durch Studien, die allein die EPA zur Begutachtung anfordert, pro Jahr zwischen 20 000 und 100 000 Tiere ihr Leben lassen.

Es gibt allerdings auch heftige Kritik an der Entscheidung. So zitiert die »New York Times« die Wissenschaftlerin Jennifer Sass vom Natural Resources Defense Council, einer gemeinnützigen Umweltschutzorganisation: »Wir fordern ordentliche Tierversuche, damit keine schädlichen Chemikalien in unserer Nahrung, in der Luft und dem Wasser landen.« Die alternativen Methoden könnten den Versuch an Labortieren nicht ersetzen. Ähnlich äußerten sich andere von der »New York Times« befragte Toxikologen.

So könnte hinter der aktuellen EPA-Entscheidung ebenso der Wunsch stecken, die sehr hohen Kosten und den Zeitaufwand für Genehmigungsverfahren zu senken – selbst zum Preis mangelnder Kontrolle. EPA und chemische Industrie spielten »ein abgekartetes Spiel, bei dem wissenschaftliche Gründlichkeit aufgegeben und dann nur noch ›quick and dirty‹ getestet wird«, sagt Sass. Unter US-Präsident Trump hat die amerikanische Umweltbehörde bereits zahlreiche ähnliche Entscheidungen zu Gunsten der Industrie und gegen den Schutz von Mensch und Natur gefällt.

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