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Zoologie: Vegetarier im Pandadarm

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Eine Besonderheit des Großen Pandas hat sich Zoologen erst bei einem genauen Blick auf die Gene des Tieres gezeigt: Wie seine Bärenverwandten hat Ailuropoda melanoleuca das Erbgut eines echten Fleischfressers – Enzyme für den Abbau pflanzlicher Nahrung fehlen im Genom dagegen völlig. Das hindert Pandas aber nicht daran, sich vor allem von großen Mengen Bambus zu ernähren. Chinesische Forscher haben nun analysiert, welche Bakterien im Darm in die Bresche springen, um die Pflanzenzellulose für das Tier verwertbar zu machen.

Dazu haben Fuwen Wei von der Chinese Academy of Sciences in Peking und seine Kollegen frisch produzierte Fäkalproben von sechs wilden und acht in Zoos lebenden Pandas gesammelt, daraus Genmaterial extrahiert und es anschließend verschiedenen Bakterienarten zugeordnet. Demnach leben im Darm des Bambusfressers zumindest 13 verdächtige, zur Gattung Clostridium gehörige Bakterienspezies, von denen acht bisher nur im Panda nachgewiesen wurden. Diese Mikroben produzieren verschiedene Enzyme, die Zellulosen und Hemizellulosen in auch vom Panda verwertbare Zucker zerlegen.

Der Große Panda <i>(Ailuropoda melanoleuca)</i>Laden...
Großer Panda (Ailuropoda melanoleuca) | Wohl bekomm's: Der Große Panda (Ailuropoda melanoleuca) beißt in seine Leibspeise. Sein Verdauungsapparat wird von einer Bambusmahlzeit dennoch typischerweise nur rund 17 Prozent verwerten können – und ohne hilfreiche Zellulose verdauende Bakterien im Darm würde allerdings nicht einmal das gelingen. Um satt zu werden, muss ein Panda daher täglich rund 12,5 Kilo Pflanzennahrung futtern.
Allerdings unterscheidet sich die Verdauung des Pandas doch deutlich von der eines typischen reinen Pflanzenfressers. So werden zwar Zellulose, Hemizellulose und verschiedene kürzere Zuckerketten von den Darmbakterien zerlegt, dies aber deutlich weniger effizient als etwa von der Kuh. Das erklärt wohl auch, warum die Bären nur rund 17 Prozent des Trockengewichtes einer Mahlzeit verwerten können.

Pandas haben im Laufe ihrer Evolution allerdings noch eine Reihe anderer Anpassungen an die Bambusdiät entwickelt: So ernten sie die Pflanzen präziser dank ihrer Pseudodaumen, kauen sie ausgiebig mit weiterentwickelten Zähnen und Kiefermuskeln in speziell dafür umgestalteten Schädeln und nehmen sehr große Mengen an Nahrung pro Tag zu sich. Zudem helfen Anpassungen im Magen-Darm-Trakt, etwa eine sehr dicke Mukusschicht im Dickdarm. Diese Anpassungen gleichen die evolutionsbedingten Nachteile des ererbten Fleischfresser-Verdauungssystems offensichtlich aus. (jo)
42. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 42. KW 2011

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