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News: Vegetarisches Krokodil

Krokodile sind nicht nur die stumpfen Killermaschinen, die seit Jahrmillionen unverändert in Flüssen und Sümpfen auf ihre Opfer lauern. US-Forscher haben jetzt auf Madagaskar ein Fossil entdeckt, das beweist, dass die Tierordnung zu erstaunlichen Experimenten fähig war: Sie fanden ein pflanzenfressendes Krokodil.
"Auch wenn es nicht wie typisches Krokodil aussieht, hat es doch unzweifelhafte Körpermerkmale. Aber es ist eben eines der seltsamsten Krokodile, die jemals entdeckt wurden", gibt George Buckley von der Roosevelt University in Chicago zu. Denn während der Körper ganz so aussieht wie eine, allerdings recht kleine Panzerechse, ist der Kopf alles andere als typisch. Das vor 70 Millionen Jahren gestorbene Exemplar hat einen gedrungenen Schädel mit einer Stupsnase und breiten Zähnen (Nature vom 22. Juni 2000). "Heutzutage findet man solche Zähne bei Tierarten, die sich vorwiegend von Pflanzen ernähren", erklärt Buckley. Daher nehmen die Paläontologen an, dass auch das madagassische Krokodil ein Pflanzenfresser war.

Buckley schätzt, dass sich das ungewöhnliche Tier an Flussläufen aufhielt und Farne und Palmen fraß. Insekten und gelegentlich Frösche oder Eidechsen dürften den vegetarischen Speiseplan ergänzt haben. Gegen Feinde schützte sich das Krokodil mit einer starken Panzerung. Die Flucht ins Wasser dürfte dagegen nicht in Frage gekommen sein, da seine Augen und Nasenlöcher nicht wie bei den heutigen Exemplaren oben auf dem, sondern seitlich am Kopf lagen. Das vegetarische Experiment zeigt: Offenbar ist die Entwicklungsgeschichte der Krokodile doch nicht so langweilig gewesen, wie man bisher glaubte. Da das madagassische Fossil bisher der einzige Vertreter der pflanzenfressenden Krokodil-Spielart ist, bleibt für Buckley nur ein Schluss übrig: "Dass die heute typische Ausprägung dieser Tiergruppe überlebt hat, liegt daran, dass sie die Form ist, die in der Natur funktioniert."

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