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Sozialpsychologie: Verarmter IQ

Armut behindert die Intelligenz.
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Mit Armut geht vieles einher: schlechtere Bildung und Gesundheitsversorgung, aber auch selbstschädigendes Verhalten. Frühere Studien haben gezeigt, dass finanziell schlechter gestellte Menschen unpünktlicher und unkonzentrierter sind oder das wenige Geld falsch investieren. Nun kommt laut Forschern um Sendhil Mullainathan von der Harvard University hinzu, dass arme Menschen mit akuten Finanzsorgen schlechter in Logiktests abschneiden. Dieses Ergebnis wirft ein neues Licht darauf, warum Armut eher dauerhaft ist.

Die Forscher befragten etwa 400 zufällig ausgewählte Passanten in einer Einkaufspassage zu ihrem Einkommen und ließen sie darüber nachdenken, was sie bei leichten oder gravierenden Einschnitten ihrer Finanzen tun würden. So grübelten die Probanden darüber, wie sie mit einem plötzlichen Autoschaden von 150 oder 1500 Dollar umgingen. Danach füllten sie einen IQ-Test, den Raven Matrizentest, aus. Bei diesem sprachfreien Test gilt es, aus verschiedenen Figuren ein Muster zu erkennen.

Bei armen Leuten, die über ernste Finanzprobleme brüteten, fiel der Logiktest erheblich schlechter aus als bei den finanziell besser gestellten. Bei weniger schlimmen fiktiven Belastungen schnitten sie allerdings ähnlich gut ab wie die Probanden mit mittlerem Einkommen.

In einem zweiten Experiment machten indische Zuckerrohrbauern den IQ-Test vor und nach der Ernte. Die Landwirte werden nur einmal im Jahr mit der Ernte bezahlt, und so folgt für sie dem ärmsten Monat im Jahr der reichste. Nach der Bezahlung schnitten die Bauern im Logiktest um bis zu zehn IQ-Punkte besser ab.

Die Forscher konnten eine Reihe von möglichen Erklärungen ausschließen, wie bessere Ernährung, beschwerliche Arbeit im Erntemonat, aber auch Trainingseffekte. Die Angst um die Zukunft raubt den Menschen ihre Geisteskraft, vermuten die Wissenschaftler. Die Chance, sich aus der Not zu befreien, verschlechtere sich so zusätzlich.

Zudem wird deutlich, dass der Intelligenzquotient kein fest stehendes Maß zu sein scheint, sondern stark von den Lebensumständen abhängt. Da reicht sogar die spontane Sorge, wie man bei einem angenommenen Autoschaden über die Runden kommt.

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