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Stammzellforschung: Verfügbare menschliche embryonale Stammzellen sind kontaminiert

Die derzeitig verfügbaren Linien humaner embryonaler Stammzellen sind durch ein tierisches Molekül verunreinigt und deshalb möglicherweise für die Therapie unbrauchbar, warnen amerikanische Wissenschafter. Maria Martin von der Universität von Kalifornien in San Diego und ihre Kollegen konnten bei allen untersuchten Zelllinien die Sialinsäure N-Glykolylneuraminsäure (Neu5Gc) nachweisen.

Neu5Gc kommt bei Säugetieren, aber nicht beim Menschen vor. Die Forscher befürchten daher, dass embryonale Stammzellen, die aus diesen Linien hergestellt und zur Therapie eingesetzt werden, zu Abwehrreaktionen des Immunsystems führen. Die Kontamination mit der fremden Substanz trat wahrscheinlich auf, weil in Zellkulturen routinemäßig Bindegewebszellen aus Mäuse- oder Kälberseren als so genannte Feeder-Zellen eingesetzt werden.

Die einzig sichere Möglichkeit, das Problem zu umgehen, wäre die Produktion neuer Stammzelllinien, die ohne tierische Wachstumsmedien gezüchtet werden, schreiben die Forscher. In den USA erhalten jedoch Wissenschaftler, die neue Stammzelllinien herstellen wollen, keine staatliche Unterstützung. In Deutschland dürfen nach dem Stammzellgesetz nur embryonale Stammzellen verwendet werden, die im Ausland vor dem 1. Januar 2002 gewonnen worden sind.

Viele Wissenschaftler sehen in embryonalen Stammzellen, aus denen sich alle Zelltypen des Körpers züchten lassen, ein potenzielles Heilmittel für schwere Krankheiten wie Diabetes oder der Alzheimer-Demenz. Da sie jedoch aus menschlichen Embyronen gewonnen werden, sind sie ethisch hoch umstritten. Stammzellforscher hatten die derzeit gültige Stichtagsregelung bereits kritisiert, weil sie eine Kontamination mit tierischen Substanzen befürchtet hatten.
25.01.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 25.01.2005

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