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Norwegen: Vergrabenes Wikingerschiff entdeckt

Mit Hilfe von Bodenradar gelingt Archäologen ein seltener Fund: ein Wikingerschiff im Erdboden, rund 20 Meter lang. Jetzt muss sich zeigen: Was ist noch erhalten?
Drachenschiff der Wikinger

Mit Hilfe von Bodenradar haben norwegische Archäologen ein Schiff aus der Wikingerzeit entdeckt, das seit mindestens 1000 Jahren im Erdboden liegen dürfte.

Die Bestattung in einem kompletten Schiff, das dazu an Land gezogen und durch Aufschüttung eines Hügels zur weithin sichtbaren letzten Ruhestätte wurde, war eine Seltenheit und nur Angehörigen der Königs- und Häuptlingsfamilien vorbehalten – entsprechend wenige dieser Schiffsgräber haben sich bis heute erhalten; moderne Pflüge haben die Hügel eingeebnet und was an Hölzern noch vorhanden war, auf dem Acker verteilt. In Norwegen wurden nur drei Langschiffe aus der Zeit der Nordmänner entdeckt, keines davon wurde mit den Mitteln der modernen Archäologie ausgegraben.

Dass nun in der Nähe von Oslo im Umfeld des monumentalen Grabhügels von Jelle in Østfold ein weiteres Schiffsgrab zum Vorschein kam, könne man als »Jahrhundertfund« bezeichnen, so Jan Bill, Kurator für Wikingerschiffe am Osloer Kulturgeschichtlichen Museum gegenüber »National Geographic«. Das Entdeckerteam um Lars Gustavsen und Erich Nau hat seinen Fund nun in einer Mitteilung des Norwegischen Instituts für die Erforschung des Kulturerbes publik gemacht.

Schiff im Boden
Schiff im Boden | Durch systematisches Abfahren des Geländes mit einem Bodenradargerät können die Archäologen unter die Grasnarbe schauen – ohne auch nur einmal die Schaufel anzusetzen.

Das »Jellstadschiff« liege gerade einmal 50 Zentimeter unterhalb der Bodenoberfläche, so die Forscher. Die oberen Teile des Decks sind im Lauf der Jahrhunderte abgeschliffen worden, die unteren Bereiche des Schiffs sowie der Kiel seien jedoch noch eindeutig erhalten. Nun sollen weitere nichtinvasive Messungen und möglicherweise auch Probegrabungen klären helfen, was dort unter der Erde zu finden ist. Holzreste dürften sich datieren lassen, so dass die Wissenschaftler das Alter des Schiffs ermitteln können. Nur wenig Hoffnung machen sich die Forscher, auf Reste der eigentlichen Bestattung zu stoßen. Die markanten Grabhügel wurden zumeist in den vergangenen Jahrhunderten beraubt.

Das Wikingerschiff liegt nicht isoliert, sondern ist im Gegenteil eingebettet in einen Verbund aus mindestens acht weiteren Grabhügeln, die sich im Georadar zeigten. Außerdem kamen bei den Untersuchungen drei Langhäuser zum Vorschein, eines davon an die 50 Meter lang.

© LBI ArchPro
Das Jellstadschiff und Umgebung

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