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Verhalten: Wenn Krokodile auf große Reisen gehen

Leistenkrokodile gehören zu den am stärksten gefürchteten Reptilien und sind ausdauernde Schwimmer. Und sie können auch lange über das offene Meer schwimmen.
Ein Krokodil schwimmt unter Wasser. Der Fokus liegt auf dem Kopf und den Zähnen des Tieres. Die Haut ist rau und strukturiert, und das Wasser ist klar mit einem sandigen Boden im Hintergrund.
Leistenkrokodile sind leistungsfähige Schwimmer und verkraften auch Salzwasser problemlos.

Leistenkrokodile (Crocodylus porosus) besitzen ein riesiges Verbreitungsgebiet, das von Indiens Küsten über Australien und Neuguinea bis zu pazifischen Inseln wie Vanuatu reicht. Selbst bei Fidschi wurden sie schon gesichtet. Bis ins 19. Jahrhundert war es sogar noch größer. Denn bis etwa 1820 lebten die Tiere auch auf den Seychellen, die mehrere Tausend Kilometer vom westlichsten Punkt der heutigen Heimat der Krokodile entfernt liegen. Dass es sich bei den Seychellen-Krokodilen tatsächlich um Vertreter der Leistenkrokodile und nicht um eine eigene Art handelte, bestätigte nun eine Studie von Stefanie Agne von der Universität Potsdam und ihrer Arbeitsgruppe: Eine eigene Spezies war bislang ebenfalls nicht ausgeschlossen worden.

Die ersten Siedler auf den Seychellen berichteten noch davon, dass Krokodile häufig an den Küsten des Archipels lagerten. Doch schon 50 Jahre nach der dauerhaften Ansiedlung von Menschen waren die Reptilien ausgerottet. Übrig blieben nur Museumsexemplare, welche Agne und Co gentechnisch untersuchten. Sie analysierten die Gene von Krokodilproben aus jüngerer Zeit sowie mitochondriale Genome historischer Museumsexemplare der Gattung Crocodylus, zu denen die Leistenkrokodile gehören und unter denen auch die vermeintlichen Seychellen-Krokodile eingeordnet wurden.

Der Vergleich zeigte eine sehr hohe genetische Übereinstimmung zwischen Leisten- und Seychellen-Krokodil, sodass beide nicht nur zur gleichen Art gehörten, sondern ebenso über lange Zeit und große Entfernungen hinweg in Verbindung blieben. Es fand also regelmäßig ein genetischer Austausch statt, weil sich die Tiere aus verschiedenen Regionen untereinander fortpflanzten. Anatomische Vergleiche hatten bereits nahegelegt, dass sie eine einzige Art bildeten.

Um auf die Seychellen zu kommen, mussten Leistenkrokodile mindestens 3000 Kilometer zurückgelegt haben – über offenes Meer. Nicht ohne Grund tragen die Tiere als Beinamen auch Salzwasserkrokodil. Sie besitzen beispielsweise spezielle Salzdrüsen, mit denen sie überschüssiges Salz ausscheiden können, weshalb sie lange Reisen im Meer unbeschadet überstehen. Zudem sind sie kräftige Schwimmer und können zusammen mit günstigen Strömungen lange Distanzen überqueren. Im Meer verschmähen die Tiere auch nichts, was als Nahrung dienen könnte: In Australien wurden sie bereits gemeinsam mit Haien beobachtet, als sie an Walkadavern fraßen.

  • Quellen
Agne, S. et al., Royal Society Open Science 10.1098/rsos.251546, 2026

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