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Verhalten: Seevögel fliehen in das Auge des Sturms

Albatrosse, Sturmtaucher und Co sind Meister der Lüfte. Sie fliegen sogar gezielt mitten hinein in Wirbelstürme, wo sie mehr Sicherheit suchen.
Weißgesicht-Sturmtaucher
Ein Weißgesicht-Sturmtaucher gleitet über das Meer.

Viele Seevögel verbringen lange Zeiten über dem offenen Meer und fliegen teilweise wochenlang ohne größere Unterbrechungen. Häufig treffen sie dabei auf Stürme, die auch für sie lebensgefährlich werden können. Wie Emily Shepard von der Swansea University und ihr Team beobachtet haben, suchen zumindest manche Arten sogar gezielt das Auge von Wirbelstürmen auf. Das berichtete die Arbeitsgruppe in der »PNAS«.

Shepard und Co hatten für ihre Studie Sturmtaucher mit kleinen Sendern ausgestattet, so dass sie über die GPS-Daten nachverfolgen konnten, wohin es die Vögel zieht und wie sie auf Wetterereignisse reagieren. Die Ergebnisse waren einigermaßen überraschend: So flogen die Vögel häufig direkt in Richtung des Sturmzentrums, obwohl dort eigentlich die Windgeschwindigkeiten am höchsten sind. Das galt sogar für den stärksten Taifun während des Untersuchungszeitraums.

Auf der Nordhalbkugel drehen sich diese und andere Wirbelstürme allerdings gegen den Uhrzeigersinn. Wären die Vögel also in ihrem ursprünglichen Aufenthaltsgebiet geblieben, hätten die starken auflandigen Winde hinter dem Auge des Sturms sie möglicherweise in Richtung Festland getrieben. Dort jedoch lauern viele Gefahren für die Seevögel wie Fressfeinde oder Kollisionen mit Bergen, Bäumen oder den zahlreichen menschlichen Bauwerken.

Dieses Verhalten trat in der Regel auf, wenn sich die Vögel in relativer Landnähe befanden: Sie wissen also auch, wo sie sich im Verhältnis zur Küste befinden. Auf offener See hingegen versuchten sie meist, den Stürmen aus dem Weg zu gehen und diese zu umfliegen. Beides benötigt eine gewisse Erfahrung und könne erklären, warum nach starken Stürmen überproportional viele tote junge Seevögel an die Küste gespült werden, schreiben Shepard und ihr Team: Diese hätten noch keine Zeit gehabt, eine Art Landkarte ihrer Umgebung in ihrem Gehirn anzulegen und so den stürmischen Winden zu entgehen.

Ursprünglich spielten derartige große Verluste kaum eine Rolle für das Überleben von Seevögeln: Sie leben sehr lange und könnten daher den Ausfall einer Generation verkraften. Mittlerweile beeinträchtigen jedoch zahlreiche Einflüsse von Menschenhand diese Arten, etwa weil erwachsene Tiere durch die Fischerei, eingeschleppte Fressfeinde oder Kollision mit beleuchteten Bauwerken ums Leben kommen. Viele Bestände sind daher gefährdet.

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