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Gesundheitsrisiko: Verhaltensauffällige Jugendliche sterben früher

Eine Längsschnittstudie in den USA zeigt: 1 von 20 Teenagern mit dissozialem Verhalten oder Drogenproblem wird kaum älter als 30 Jahre. Das liegt nicht allein am Alkohol- und Drogenkonsum.
Zwei Jugendliche jagen einen anderen und haben dabei sichtlich Spaß.Laden...

Jugendliche mit einer Störung des Sozialverhaltens und Drogenproblemen sterben fünfmal häufiger vorzeitig als Gleichaltrige mit unauffälligem Verhalten. Das berichten Forschende um Richard Border von der University of Colorado in der Fachzeitschrift »Addiction«. Die Daten stammen aus einer Längsschnittstudie, die 1993 in Kalifornien und Colorado startete und die Entwicklung von knapp 1500 jungen Probanden in Jugendstrafvollzug, Entzugsprogrammen und Schulen für verhaltensauffällige Jugendliche verfolgt. Zum Vergleich zogen die Forscher die rund 1400 Geschwister der Jugendlichen sowie weitere 900 Gleichaltrige heran. Insgesamt starben seit Beginn der Studie 104 der knapp 3800 (darunter zirka 1200 weibliche) Versuchspersonen. Das Sterberisiko für die verhaltensauffälligen Probanden lag bei mehr als 4 Prozent, das ihrer Geschwister bei 2,4 Prozent und das der Kontrollgruppe bei weniger als 1 Prozent. Die häufigste Todesursache waren Folgen von Alkohol- und Drogenkonsum.

Um zu Grunde liegende Faktoren genauer aufzuschlüsseln, rechneten die Forscher statistisch den Einfluss von demografischen und familiären Merkmalen heraus. Zu ihrer Überraschung trugen nun vor allem die dissozialen Verhaltensweisen der Jugendlichen zum erhöhten Sterberisiko bei – nicht aber die Schwere des Drogenkonsums. Mit den Verhaltensproblemen steigt unter anderem auch die Wahrscheinlichkeit für tödliche Unfälle und körperliche Auseinandersetzungen sowie Suizide.

Unter männlichen Jugendlichen erfüllen den Autoren zufolge zwischen 6 und 16 Prozent die Kriterien einer Störung des Sozialverhaltens, unter Mädchen sind es 2 bis 9 Prozent. Je nach Alter des Kindes können sich die Probleme unterschiedlich äußern. Grob lassen sie sich vier Kategorien zuordnen: erstens aggressives Verhalten gegenüber anderen Menschen sowie Tierquälerei; zweitens das Zerstören von Eigentum, zum Beispiel durch Vandalismus oder Brandstiftung; drittens Lügen, Stehlen und Einbrüche; viertens Verstöße gegen soziale Regeln und Normen, wie die Schule zu schwänzen. Nicht zuletzt trinken die Betroffenen oft vermehrt Alkohol oder nehmen andere Drogen. Sie verfügen meist über ein geringes Selbstwertgefühl, sind leicht reizbar und leiden unter häufigen Wutanfällen.

Weil es sich bei der vorliegenden Stichprobe nur um Jugendliche mit aktenkundigen Verhaltensauffälligkeiten handelte, gelten die Befunde nicht für die gesamte Bevölkerung. Eine Schlussfolgerung ziehen die Autoren trotzdem: »Wenn Sie einen Teenager haben, der stark verhaltensauffällig ist, suchen Sie Hilfe. Nicht nur, um etwaige Straffälligkeit zu verhindern: Es könnte um Leben oder Tod gehen«, erklärt der Verhaltensgenetiker John Hewitt, Leiter der Längsschnittstudie. Die Neigung zu antisozialem oder riskantem Verhalten ist zwar teils erblich bedingt. Doch frühzeitige Hilfen können eine Abwärtsspirale aufhalten.

33/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 33/2018

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