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Psychedelika: Nach einem Trip fühlt sich die Welt anders an

Haben Tiere, Pflanzen oder gar unbelebte Dinge ein Bewusstsein? Nach einschneidenden Erfahrungen mit halluzinogenen Drogen wie LSD oder Zauberpilzen geben viele darauf eine neue Antwort.
magic mushrooms

Psychedelische Drogen können die Psyche tief greifend verändern. Viele Menschen erzählen nach einem Trip von mystischen Einsichten wie dem Gefühl, dass die ganze Natur von Geist und Bewusstsein durchdrungen sei. Solchen Erfahrungsberichten ist nun eine Studie an der Johns Hopkins University in Baltimore nachgegangen.

Die Psychiater Sandeep Nayak und Roland Griffiths vom dortigen Center for Psychedelic and Consciousness Research warben über soziale Medien und Online-Plattformen rund 1600 Erwachsene an, die nach eigener Auskunft bereits lebensverändernde Erfahrungen mit halluzinogenen Drogen wie Zauberpilzen, LSD, Ayahuasca oder Meskalin gemacht hatten. Wie die Autoren in »Frontiers in Psychology« schildern, hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Mittel bereits mehr als 20-mal im Leben psychedelische Drogen konsumiert. Auf ihrem eindrücklichsten Trip standen die meisten unter dem Einfluss von Psilocybin oder LSD.

Laut ihren Angaben sprachen sie nach dieser Erfahrung Lebewesen, unbelebten Objekten und dem ganzen Universum eher ein Bewusstsein zu als zuvor. Beispielsweise gab nur eine Minderheit an, sie hätte bereits vorher Pflanzen für bewusstseinsfähig gehalten; danach jedoch hielt die Mehrheit das für möglich – ein deutlich größerer Anteil als in der Allgemeinbevölkerung, wie die Autoren schreiben. Abergläubische Ansichten wie »Die Zahl 13 bringt Unglück« nahmen dagegen nicht zu. Die neu gewonnenen Überzeugungen blieben bis zur Befragung stabil – zu diesem Zeitpunkt lag der fragliche Trip im Schnitt acht Jahre zurück.

Die Veränderungen hingen eng mit der Intensität von mystischen Erfahrungen zusammen, wie dem Gefühl »einer lebendigen Präsenz in allen Dingen«, stellten die beiden Forscher fest. »Es ist nicht klar, warum das so ist: ob es sich dabei um eine angeborene Wirkung der Droge oder um kulturelle Faktoren handelt«, sagt Sandeep Nayak in einer Pressemitteilung. Psychedelika könnten ihre Wirkung beispielsweise über vermehrte Neuroplastizität entfalten. Bei Kindern sei »eine breite Zuschreibung von Bewusstsein« normal; sie werde erst später unterdrückt oder verlernt. Weil die halluzinogenen Substanzen das bewusste Erleben in ungewöhnlicher Weise verändern, werde vermutet, sie könnten sogar Einblicke in die Natur des Bewusstseins selbst bieten.

Eine andere Realität hinter der physischen Welt?

Die Erwartungen an die Droge könnten ebenfalls zu ihrer Wirkung beitragen; dies sollte in künftigen Studien kontrolliert werden, wie Nayak und Griffiths einräumen. Die vorliegende Studie erfasste Veränderungen außerdem nur retrospektiv. Doch eine Längsschnittstudie beobachtete 2021 bereits einen ähnlichen Sinneswandel. Das Team um Christopher Timmermann vom Imperial College London hatte auf einer Forschungsplattform Erwachsene angeworben, die Halluzinogene wie Psilocybin, Meskalin oder LSD einnehmen wollten. Die Befragung vorher und nachher zeigte: Ihre Weltsicht veränderte sich in Richtung metaphysischer Überzeugungen wie »Es gibt eine andere Realität oder Dimension hinter der physischen Welt«. Auch hier hielten die neuen Überzeugungen langfristig an.

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