Direkt zum Inhalt

Verirrte Tiere: Rätsel um Grauwal vor Italien

Vor Italiens Küste schwimmt ein junger Grauwal - dabei leben die Tiere eigentlich im Pazifik. Hat die Erderwärmung einen Weg über Arktis und Atlantik geöffnet?
Grauwal

An der Küste Italiens ist ein Grauwal gesichtet worden und sorgt für allerlei Spekulationen über seine Herkunft. Denn die Riesentiere leben eigentlich auf der anderen Seite des Globus an den Küsten von Ost- und Westpazifiks. Der von der italienischen Presse »Wally« getaufte, etwa einjährige Grauwal ist am Golf von Neapel bei Sorrent, nahe der Insel Ponza und vor der US-Marinebasis von Gaeta gesichtet worden und war zuletzt in der Nähe von Fiumicino bei Rom herumgeschwommen, wie die Küstenwache am Donnerstag berichtete.

Das Auftauchen eines Grauwals im Mittelmeer ist extrem selten. Mehrere Experten vermuten, dass sich für Grauwale durch das Abschmelzen der Polkappen in der Arktis neue Wege in den Atlantik auftun. Eigentlich galten die Meeressäuger in diesem Ozean als ausgestorben. »Grauwale sind Küstenwale und dringen manchmal in große Lagunen ein«, schreiben Walschützer der Organisation Marevivo. So könnten sie auch den Weg ins Mittelmeer erkunden. Das Tier sei »wahrscheinlich unterernährt, weil unser Ökosystem nicht genügend Ressourcen bietet. Aber es ist stark genug, um nach Nahrung zu suchen.«

Der junge Grauwal im Golf von Neapel
Der etwa einjährige Grauwal »Wally« schwimmt an der Westküste Italiens entlang. Eigentlich lebt die Art im Pazifik.

Der von der italienischen Zeitung »La Repubblica« befragte mexikanische Wal-Experte Jorge Urban spekuliert, dass Grauwale, im Atlantik angekommen, in verschiedene Gewässer gelangen können: »Nordamerika, Island, Spanien und schließlich das Mittelmeer, eine großartige Lagune für sie«, so Urban. Andere Experten gaben zu bedenken, dass das Tier wegen seines geringen Alters vielleicht sogar schon im Atlantik geboren worden sei. Damit ergäben sich neue Forschungsfragen zur Rückkehr der Tiere in Regionen, in denen die Art vor einiger Zeit ausgestorben ist. Grauwal-Experten blicken wegen der Klimakrise mit Sorge auf die Lebensweise der Grauwale im Pazifik: In der Arktis schwindet das Meereis und damit auch das Nahrungsangebot. Die Tiere müssen daher auf der Suche nach Nahrung immer weiter nach Norden schwimmen.

(dpa/jo)

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte