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Frühes Leben: Vermeintliche Evolutionssackgasse ein Weichtierahne?

Neue Fossil-Exemplare einer seit 500 Millionen Jahre ausgestorbenen Tierart lassen die Verwandtschaftsverhältnisse früher Lebensformen in neuem Licht erscheinen. Die im Kambrium verbreitete, bislang mit unsicherem Stammbaum ausgestattete Spezies Odontogriphus omalus war offenbar ein Vorläufer der heutigen Mollusken, glauben Jean-Bernard Caron und seine Kollegen vom Royal Ontario Museum. Zu dieser Erkenntnis verhalf ihnen eine Analyse von 189 bislang nicht gut untersuchten Fundstücken der Spezies, die in den letzten 15 Jahren in der Burgess-Shale-Fossillagerstätte geborgen worden waren.

Odontogriphus war 1976 erstmals beschrieben worden und galt meist als plattgedrückter, segmentierter Schlauch ohne Anhänge, mit einem möglicherweise bezahnten Mundloch und zwei Sinnesorgangruben, dessen Stamm im Laufe der Evolution ohne Nachfahren ausgestorben ist. Nach den Analysen der extrem gut erhaltenen, bis zu zwölf Zentimeter langen Neufunde interpretieren Caron und Kollegen nun bestimmte Zickzacklinien der Fossilien als Reste einer Radula, der typischen Raspelzunge von Mollusken.

Die Wissenschaftler erkannten zudem sehr ähnliche Mundapparate und Radula-Reste an der auch im Kambrium lebenden Wiwaxia corrugata, die bislang vage als Vertreter der Lophotrochozoen eingestuft worden ist – einer Vorläufergruppe der Lophophoraten, Weichtiere und Ringelwürmer. Zudem ähnele Odontogriphus den noch älteren Kimberella-Weichtiervorfahren, deren Überreste häufig mit typischen Weidefraßspuren in fossilen Bakterienrasen assoziiert sind. Sehr ähnliche Fraßspuren hinterlassen auch heutige Mollusken. Insgesamt deute dies darauf hin, dass die Ursprünge der Mollusken schon mindestens 18 Millionen Jahre vor der so genannten kambrischen Artenexplosion vor 540 Millionen Jahren gelegt waren.

Die ursprünglichen Mollusken dürften nach Ansicht der Forscher schalenlose Weidegänger von Mikroben gewesen sein, die von größeren Vertretern mit Schale verdrängt worden sind, als die weitflächige Besiedlung der Seeböden durch Bakterienmatten im Mittleren Kambrium mehr und mehr zurückging.

In der berühmten Burgess-Shale-Lagerstätte der kanadischen Provinz British Columbia sind die größten Mengen an Weich- und Hartteil-Fossilien aus dem Kambrium konserviert. Die einst marinen Tierarten sind in Sedimenten erhalten, die vor rund 505 Millionen Jahren in der Nähe des Äquators abgelagert worden waren.

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