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News: Verminderte Schmerzen

Natürlich vorkommende Cannabinoide - Substanzen, wie man sie auch in Hanf findet - sind am Zustandekommen des Schmerzsignals im Gehirn beteiligt. Deshalb kann Cannabis, neben vielen anderen Wirkungen, schmerzlindernde Eigenschaften haben. Nun scheint es, daß durch das Gewebe um eine Wunde zwei natürliche Cannabinoide freigesetzt werden, wenn wir verletzt sind. Diese Stoffe wirken nicht im Gehirn, sondern direkt an der Stelle der Verletzung. Sie entscheiden mit, ob überhaupt ein Schmerzsignal ausgebildet wird. Schmerzlindernde Cannabis-ähnliche Medikamente, die keine stimmungsverändernden Nebenwirkungen wie Marihuana hervorrufen, könnten daher bald Realität werden.
Lange Zeit glaubte man, daß die Wahrnehmung von Schmerz hauptsächlich von Systemen im zentralen Nervensystem gesteuert wird – dem Gehirn und dem Rückenmark. Von den Cannabinoide ist bekannt, daß sie schmerzlindernde Wirkungen oder Eigenschaften haben, indem sie dort an Rezeptoren binden. In Nature vom 16. Juli 1998 werfen Daniele Piomelli vom Neurosciences Institute in San Diego und seine Kollegen diese aktuelle Theorie über den Haufen. Sie glauben nämlich, daß Cannabinoide auch in der Peripherie wirken können, an den Verletzungsstellen selbst.

Die Cannabinoide scheinen als Filter zu dienen, die bestimmen, ob ein Schmerzsignal ausgegeben werden soll oder nicht. Damit ist dieser Mechanismus ein ideales Ziel für schmerzlindernde Behandlungen. Bei den freigesetzten Substanzen handelt es sich um Anandamide und Palmitylethanolamide (PEA). Beide haben ihr eigenes spezifisches Ziel an der Zelle. Für Anandamide sind es die CB1-Rezeptoren. Das sind Andockstellen an den sensorischen Nervenenden – und zudem dieselben Rezeptoren, die in den schmerzverarbeitenden Bereichen des Gehirns und Rückenmarks gefunden wurden. PEA hat ein anderes Ziel: die CB2-Rezeptoren, deren natürliche Rolle bisher nicht bekannt war.

Zumindest bei Tieren scheinen Anandamide die unmittelbare Schmerzempfindung zu lindern, während die PEA-Wirkungen länger andauern. Werden beide zusammen verabreicht, wirken sie synergistisch, wobei sie gemeinsam Schmerzreaktionen um mehr als das Hundertfache wirkungsvoller verringern als jede der Chemikalien für sich alleine.

Normalerweise werden die Substanzen beständig in geringen Mengen im Körper freigesetzt. Durch Veränderung der Konzentration nach oben oder unten können Schmerzsignale gemildert oder durchgelassen werden. Daher scheinen diese Chemikalien den Beginn der Schmerzwahrnehmung zu steuern.

Nach Ansicht der Forscher könnten Medikamente, die Anandamide und PEA nachahmen, oder lokal wirkende Substanzen, die am CB2-Rezeptor oder sowohl auf den CB1- als auch den CB2-Rezeptor wirken, die Vorteile der Cannabinoide nutzbar machen, ohne deren psychoaktive Nebenwirkungen mit sich zu bringen.

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