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Die Tschernobyl-Katastrophe: "Vernachlässigbare Dimensionen"

Herwig Paretzke, Direktor des Instituts für Strahlenschutz am GSF-Forschungszentrum in Neuherberg, vertritt die unter Strahlenschützern vorherrschende Lehrmeinung, dass der Unfall in Deutschland keine nennenswerten Gesundheitsschäden auslöste.
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spektrumdirekt: Herr Professor Paretzke, vor zwanzig Jahren ereignete sich die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl. Welche Gedanken schossen Ihnen damals in den Kopf, als Sie zum ersten Mal von dem Unglück erfuhren?

Herwig Paretzke: Als das Ausmaß des Unfalls nach den zuerst sehr vagen Nachrichten langsam deutlicher wurde, dachte ich zuerst an die direkt betroffenen Kraftwerk-Arbeiter in dieser Anlage und die jungen Menschen, die als eilig herbei geordertes Rettungspersonal das Unfallgeschehen eindämmen sollten, sowie an die Bevölkerung in der unmittelbaren Umgebung des Reaktors. Ihnen galt mein tiefes Mitgefühl für ihre Ohnmacht, mit dieser bedrohlichen Situation fertig zu werden, und für ihre sehr berechtigte Angst, akute oder spätere Gesundheitsschäden durch diese hohen Strahlenexpositionen zu erleiden.
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Herwig Paretzke | Prof. Dr. Dr. Herwig Paretzke ist Honorarprofessor für Physik an der Technischen Universität München sowie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck und leitet das Institut für Strahlenschutz des GSF-Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg.
Als dann die kontaminierten Luftmassen tatsächlich große Mengen an Radioaktivität auch über Deutschland verbrachten und insbesondere in Südbayern abregneten, dachte ich an den Spruch des Griechen Aesop "Hic Rhodos, hic salta" und die große Bedeutung, die er nun für uns als Strahlenschützer unvermittelt bekam. Aus unserer forscherischen Arbeit im Labor und am Schreibtisch wurde plötzlich Ernst, und wir mussten zeigen, ob unsere "grauen Theorien" auch für den nun real gewordenen Ernstfall taugten.
Wir hatten nämlich im Institut für Strahlenschutz der GSF in Neuherberg bereits seit etwa 1979, das heißt schon sieben Jahre lang, mit fünf bis zehn Wissenschaftlern im Rahmen von deutschen BMFT-Reaktorsicherheitsstudien und Sicherheitsstudien zur geplanten "Integrierten Entsorgungsanlage in Gorleben" genau auch für diesen, nun eingetretenen Fall Strahlenexpositions- und -wirkungsmodelle entwickelt und publiziert. Das waren zum Beispiel allgemeine Rechenmodelle und -programme zur dynamischen Radioökologie für viele Radionuklide und Expositionspfade; zudem hatten wir Experimente zum Verbleib von geringen Mengen an Radionukliden in Schweinen und Kühen durchgeführt, und an das Bundesinnenministerium hatten wir im gerade erst im März 1986 einen dicken Bericht mit vielen Zahlen und Abbildungen abgeliefert über das Ausmaß der möglichen Strahlenexpositionen der Bevölkerung in städtischen und landwirtschaftlichen Umgebungen durch Radionuklid-Emissionen in Abhängigkeit vom konkreten Unfalleintrittszeitpunkt und der Zeit bis hundert Jahre nach der Kontamination.
Ferner hatten wir uns schon viele Jahre mit der Quantifizierung der Wirkung kleiner Strahlendosen auf den Menschen beschäftigt und bereits 1985 Abschätzungen über die Größe der gesundheitlichen Gefährdungen durch derartige, nun vorliegende Expositionen durchgeführt, mit amerikanischen Partnern in den National Cancer Institute diskutiert und publiziert. Unsere Ergebnisse auf Grund umfangreicher Datenanalysen nahmen dabei schon die Erhöhungen dieser Risiko-Effizienten vorweg, welche die internationale Strahlenschutzkommission dann erst 1990 in ihren bis heute geltenden Empfehlungen veröffentlichte.
Es war nun schlagartig zu unserer Aufgabe als Wissenschaftler geworden, diese Modelle experimentell zu überprüfen. Wir mussten zeitgleich aber auch die für uns ungewohnte weitere Aufgabe übernehmen, unsere für diesen Fall bereits vorhandenen und nun sehr nützlich gewordenen Erkenntnisse den Entscheidungsträgern, den Medien und der Öffentlichkeit geeignet zu vermitteln.

spektrumdirekt: Um die Zahl der Opfer wird heftig gestritten: Das Tschernobyl-Forum der Vereinten Nationen spricht von 47 unmittelbaren Todesopfern sowie von etwa 4000 vorzeitigen Todesfällen durch die Strahlenbelastung. Andere Wissenschaftler, wie Professor Lengfelder von der Universität München, gehen davon aus, dass durch die Aufräumarbeiten nach der Katastrophe bereits 15 000 Menschen umgekommen sind; mit bis zu 100 000 zusätzlichen Schilddrüsenkrebsfälle sei zu rechnen. Wie sind diese unterschiedlichen Einschätzungen zu erklären?

Paretzke: Ein wichtiger Grund für den von Ihnen so bezeichneten Streit über die Zahl der Opfer hängt von ihrer Definition ab. Die Zahl der "Opfer" im allgemeinen Sinne von "Leidtragender eines Umstandes" wird notwendigerweise immer unbekannt bleiben, und es ist müßig, darüber zu spekulieren. Selbst wenn dieses Wort spezifiziert wird als "Personen mit Gesundheitsschäden" – durch diesen Reaktorunfall ist die Zahl dieser Schäden wiederum stark von der genauen Definition der Größe "Gesundheit" ab, die geschädigt wurde. Die Weltgesundheitsorganisation in Genf hat Gesundheit nämlich definiert als den "Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens". Auch diese Zahl derartiger Schäden wird sich nicht quantifizieren lassen. Es wird nach dieser WHO-Definition aber evident, dass es drei Aspekte von Gesundheit und ihren Schäden gibt.
Jeder, der berechtigte oder unberechtigte Angst vor einer Erkrankung bekommt, wird dadurch schon in seiner seelischen Gesundheit geschädigt. Ich vermute, dass dieser Aspekt den größten Teil der Gesundheitsschäden ausmacht und möchte diesen Umstand auch in das Bewusstsein derer bringen, die kleine Wahrscheinlichkeiten einer späteren körperlichen Erkrankung durch kleine Strahlendosen stark übertreiben und damit das seelische Wohlbefinden vieler erst dadurch zu "Opfern" gewordener empfindlich stören. Viele der unzähligen Abtreibungen, die aus fast immer unberechtigter Angst vor teratogenen Schäden ungeborener Kinder durchgeführt wurden, und die große Zahl an Selbstmorden fällt in diese Kategorie.
Auch soziales Wohlbefinden wurde stark geschädigt, vor allem durch die nach dem Unfall notwendig gewordenen, aber auch durch die noch größere Zahl, mit Strahlenschutzargumenten nicht rechtfertigbaren, aber dennoch aus politischen Gründen durchgeführten Umsiedlungen. Es ist zu befürchten, dass dieser Aspekt gleichfalls zu einer hohen Zahl an Opfern geführt hat und noch führen wird durch verändertes Drogen- und Sozialverhalten.
Schließlich möchte ich zu der umstrittenen Zahl an körperlichen Gesundheitsschäden durch Strahleneinwirkung auf Grund des Unfalls kommen. Hier sollte stets genau unterschieden werden, welches geografische Gebiet, welche Krankheiten oder Todesursachen und welche Zeiträume gemeint sind. Das von Ihnen angesprochene Tschernobyl-Forum der Vereinten Nationen hat seine diesbezüglichen Aussagen in den umfangreichen Textteilen klar nachvollziehbar spezifiziert. Leider ist durch die suboptimale Kürze der dem Bericht vorangestellten Zusammenfassung vieles davon verloren gegangen und vereinfacht worden. In den oft nur auf dieser kurzen Zusammenfassung basierenden Informationen für die breite Öffentlichkeit konnte der Eindruck entstehen, dass die von Ihnen genannte Zahl von 4000 nach Meinung des Tschernobyl-Forums den gesamten Gesundheitsschaden weltweit durch diesen Unfall angeben würde.
"Trotz jahrzehntelanger Forschung wissen wir bislang noch nicht, ob sehr kleine Strahlendosen überhaupt bleibende Gesundheitseffekte verursachen können"
Dies war aber nicht der Fall. Das Tschernobyl-Forum hat sich auf Grund noch fehlender wissenschaftlicher Kenntnis über mögliche Auswirkungen sehr kleiner Strahlendosen nicht dazu äußern wollen. Die Dosis-Wirkungs-Beziehungen in diesem Dosis-Bereich ist Gegenstand laufender Strahlenforschung insbesondere in Europa, Nordamerika und Japan. Leider wissen wir bislang trotz jahrzehntelanger Forschung noch nicht, ob Strahlenexpositionen in diesem Bereich überhaupt bleibende Gesundheitseffekte verursachen können, oder ob deren kleines Signal dort nur im epidemiologischen "Rauschen" der Statistik und anderer Wirkgrößen untergeht.
Ich möchte an dieser Stelle nicht das Risiko des gleichen Fehlers einer textlichen Verkürzung und Vereinfachung bei der Diskussion von Opferzahlen durch physikalische Strahleneinwirkung laufen. Deshalb möchte ich sicherheitshalber auf den von uns im Aprilheft des Physik-Journals veröffentlichten Artikel über "Die gesundheitlichen Auswirkungen" [1] und auf das gerade erscheinende Heft 50 der Veröffentlichungen der Strahlenschutzkommission [2] hinweisen. Hier wird auch auf offensichtliche Ungereimtheiten in manchen dabei analysierten epidemiologischen Originalarbeiten und auf weitere, schwierig zu quantifizierende Einflussfaktoren eingegangen, die eine gegenwärtige und zukünftige Risikoabschätzung erschweren.
In Kürze sei nur vereinfacht erwähnt, dass wir zum Beispiel für die Bevölkerung in den hoch kontaminierten Gebiete der Ukraine und Weißrusslands noch eine wesentliche Erhöhung der gegenwärtigen Zahl von wenigen tausend mit der Strahlenexposition assoziierten Schilddrüsenkrebserkrankungen erwarten müssen, dass bislang vermutlich aber im Mittel beider Staaten nur etwa die Hälfte aller beobachteten Schilddrüsenerkrankungen durch die Strahlenexposition bedingt sein könnten, dass vermutlich einige Prozent der so Erkrankten später an Komplikationen sterben werden und dass die gleiche Schilddrüsendosis durch inkorporiertes Radio-Iod offensichtlich ein ähnliches Erkrankungsrisiko wie externe Photonenstrahlung bedingt. In der Bevölkerung in den höher kontaminierten Gebieten werden nach unserem gegenwärtigen Kenntnisstand aus statistischen Gründen bei den vorliegenden kleinen Dosiswerten keine weiteren strahlenbedingten signifikanten Erhöhungen von anderen Krebsraten erwartet.
Bei der Kohorte der höher exponierten Aufräumarbeitern erwarten wir auf Grund ähnlicher Kohortengröße und Dosiswerte wie bei den Atombombenüberlebenden gleichfalls noch einen Anstieg von zusätzlichen Krebserkrankungen durch die Strahleneinwirkungen, möglicherweise auf eine ähnliche Fallzahl, das heißt etwa 500 zusätzliche Krebstodesfälle binnen fünfzig Jahren, wie sie bisher bei den etwa 80 000 Atombombenüberlebenden von Hiroshima und Nagasaki beobachtet wurden. Es sei aber hier auf die weit höhere Zahl an Erkrankungen des "seelischen und sozialen Wohlbefindens" und dadurch bedingten Todesfällen insbesondere in dieser Gruppe der Aufräumarbeiter hingewiesen.

spektrumdirekt: Welche gesundheitlichen Auswirkungen – unmittelbar durch die Strahlung, mittelbar durch kontaminierte Lebensmittel – hatte die Explosion des Kernreaktors auf Deutschland sowie auf andere europäische Länder?

Paretzke: Die in Deutschland wie auch in anderen westeuropäischen Ländern durch den Reaktorunfall von Tschernobyl verursachten Effektivdosen lagen zahlenmäßig im Bereich der Schwankungsbreite der natürlichen Strahlenexposition, die uns ein Leben lang begleitet. Nach allen Erkenntnissen der Strahlenforschung können derartige Strahlenexpositionen direkt keine statistisch signifikanten Veränderungen im spontanen körperlichen Krankheitsgeschehen hervorrufen.
Trotzdem wurde in einer Reihe von verschiedenen Veröffentlichungen der Verdacht geäußert, dass zwischen einzelnen auffälligen Beobachtungen wie Säuglingssterblichkeit, Down-Syndrom, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder Neuroblastome und dieser zusätzlichen Strahlenexposition eine Verbindung bestünde. Bei diesen Untersuchungen handelt es sich fast ausschließlich um so genannte "ökologische" Studien, für die das Fehlen von individuellen Dosis-Schätzungen charakteristisch ist. Auch deshalb sind sie nur mit größter Vorsicht zu betrachten.
Ich verstehe zuwenig von den möglichen Konsequenzen auf Embryonen und Föten von nach dem Unfall auch in Deutschland beobachteten Veränderungen des "seelischen und sozialen Wohlbefindens" wie beispielsweise der Angst werdender Mütter. Ich kenne aber zwei Voraussetzungen, von denen zumindest eine erfüllt sein müsste, wenn diese behauptete Assoziation mit physikalischer Strahleneinwirkung wissenschaftlich sinnvoll weiter untersucht werden sollte: Der gleiche Effekt muss auch in anderen geografischen Gebieten deutlich erhöhter Strahlenexposition höher ausfallen als in vergleichbaren Gebieten niedrigerer Strahlenexposition, oder es sind biologische Mechanismen bekannt, die einen solchen ursächlichen Zusammenhang in der Höhe des behaupteten Ausmaßes plausibel machen könnten.
Leider scheint keine dieser Vorraussetzungen bei den oben genannten Untersuchungen erfüllt zu sein. Deswegen gibt es nach gegenwärtigem Kenntnisstand keine wissenschaftlich abgesicherten, direkten "körperlichen" Gesundheitseffekte der in Deutschland deponierten und transportierten Radioaktivität aus Tschernobyl.

spektrumdirekt: Welche Lehren haben wir aus dem Unglück gezogen und welche sollten wir noch ziehen?

Paretzke: Viele Regierungen und internationale Organisationen haben eine Reihe wichtiger Lehren gezogen und bereits nachweislich entsprechend gehandelt hinsichtlich der Notwendigkeit verbesserter Reaktorsicherheit, verbesserten Notfallschutzes, verbesserter Daten-Kommunikation und gegenseitiger Information sowie der Verbesserung von Unfallmanagement-Systemen.
Als Strahlenschutzwissenschaftler haben wir die positive Lehre ziehen können, dass unsere wissenschaftlichen Vorhersagen – fast wider eigenem Erwarten – sehr gut mit den beobachteten Nahrungsmittel-Kontaminationen und Strahlenfeldern und deren zeitliche Veränderungen übereingestimmt haben. Deutlich überschätzt haben wir – aus Sicherheitsgründen – anfänglich die Strahlenexpositionen der Bevölkerung in Deutschland. Wegen der auch zukünftig nicht vorhersagbaren Herkunft einzelner Nahrungsmittel auf dem Markt sollte diese Vorsorge-Strategie aber nicht verändert werden.
"Es gibt wohl auf keinem Gebiet so viele selbst ernannte 'Experten' mit schnell angelesenem Halbwissen, aber dennoch fester Meinung und großer öffentlicher und politischer Wirkung"
Schließlich haben wir auch eine betrübliche Lehre ziehen müssen. Es gibt wohl auf keinem Gebiet so viele selbst ernannte "Experten" mit schnell angelesenem Halbwissen, aber dennoch fester Meinung und großer öffentlicher und politischer Wirkung, wie auf unserem Gebiet des Strahlenschutzes. Leider ist die Arbeitszeit selbst der engagiertesten Forscher ein endliches Kapital, das nur einmal ausgegeben werden kann. Nämlich entweder zum wissenschaftlich unproduktiven Verfassen von Richtigstellungen von Desinformationen der Öffentlichkeit oder der Fachwelt. Oder zur Lösung der leider noch vielen wichtigeren, aber ungelösten Probleme auf diesem Gebiet. Es wäre für uns interessant zu erfahren, worin der Bürger, dem wir mit unserer Forschung ja primär dienen wollen, unsere Prioritäten gerne gesetzt sehen würde.

spektrumdirekt: In Deutschland galt der Ausstieg aus der Kernenergie als beschlossene Sache, wird jedoch jetzt wieder diskutiert. Hat die Kernenergie seit Tschernobyl keine Zukunft mehr oder können wir – beispielsweise um unsere Klimaschutzziele zu erreichen – auf Kernenergie in den nächsten Jahrzehnten nicht verzichten?

Paretzke: Ich bin Strahlen- und kein Energieforscher. Deshalb kann ich, außer einer Habilitation auch in Umweltphysik, keine Autorität auf diesem Gebiet nachweisen. Als Mitglied des Vorstandsrates der Deutschen Physikalischen Gesellschaft bin ich aber über dieses Thema informiert zum Beispiel durch unsere letzten Jahres veröffentlichte DPG-Studie "Klimaschutz und Energieversorgung in Deutschland 1990-2020", die ich deshalb ersatzweise zitieren möchte [3]. Diese kommt zu zehn spezifizierten Erkenntnissen zur Klimapolitik, worunter eine – wegen der negativen Folgen für die CO2-Reduktion – mit "Plädoyer für das Weiterlaufenlassen der Kernkraft" überschrieben ist. Zu ähnlichen Schlüssen kam schon unsere frühere DPG-Stellungnahme vom 14. November 1998, die wegen der großen globalen Bedeutung des Klimaschutzes die "weitere Nutzung der Kernenergie für vorläufig unverzichtbar" hält und "deshalb Wert auf konsequente Weiterentwicklung der nuklearen Sicherheitstechnik legt" [4]. Man beachte das Wort "vorläufig"!
Zitieren möchte ich zu diesem Thema auch ganz aktuell Patrick Moore, den Mitbegründer von Greenpeace, also einer Organisation, die nicht im Verdacht zu großer Nähe zur Kernenergie steht. Moore hat erst vor wenigen Tagen, am 16. April 2006, in der Washington Post unter der bezeichnenden Überschrift "Going Nuclear" festgestellt, dass sich seine Meinung nach drei Jahrzehnten Umweltaktivismus gegen Kernenergie nun radikal geändert hat – und zwar zugunsten eines Ausbaus der Kernenergie. Dies geschah im Angesicht der drohenden Klimaveränderungskatastrophe, gegen die der Reaktorunfall von Tschernobyl bei all seiner menschlichen Tragik, absolut vernachlässigbare Dimensionen hat. Es ist zu hoffen, dass er – mit seinen eigenen Worten – "nicht gleichfalls von der antinuklearen Priesterschaft exkommuniziert" wird, wie es dem inzwischen verstorbenen britischen Gründer und Leiter der "Friends of the Earth", Bischof Hugh Montefiore, geschah, als er einen Artikel in einem Kirchenblatt zugunsten der Kernenergie veröffentlichte.
Schließen möchte ich meine Beantwortung dieser für mich fachfremden Frage über den möglichen Verzicht auf den geplanten Verzicht auf Kernenergie mit einem Ausblick auf die einzig nachhaltige Lösung der Energiefrage und einem Zitat von Leonardo da Vinci aus dem sehr lesenswerten, 600-seitigen Buch voller Daten und dichter Sachinformation von Klaus Heinloth "Die Energiefrage" [5]: "Menschlicher Erfindungsgeist wird niemals etwas ersinnen, was schöner, einfacher und zielgerichteter ist, als das, was die Natur hervorgebracht hat; denn ihre Erfindungen lassen nichts vermissen, haben nichts überflüssiges an sich."
29.04.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 29.04.2006

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