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News: Verräterischer Fingerabdruck

Nicht nur Verbrecher, sondern auch Krebszellen hinterlassen markante Fingerabdrücke am Ort des Geschehens. Da sich jede bösartige Zelle durch ein spezifisches Muster an aktiven Genen und Proteinen von gutartigen Zellen unterscheidet, reicht ein Blick auf ihr molekulares Profil, um dem behandelnden Arzt ein paar essentielle Fragen zu beantworten. Ist ein chirurgischer Eingriff sinnvoll? Kann man noch abwarten? Und: Wird der Tumor wiederkehren? Eine neue Methode erlaubt nun die Lesbarkeit des Abdrucks.
Aufgrund seiner Häufigkeit hat der Prostatakrebs eine traurige Berühmtheit erlangt. In Deutschland liegt diese Tumorart hinter Lungenkrebs an zweiter Stelle und tritt besonders im Alter ab 80 Jahren vermehrt auf. Symptome zeigen sich meist erst, wenn der Tumor schon Metastasen in andere Organe gestreut hat. Nur regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können eine bösartige Geschwulst im gut behandelbaren Anfangsstadium aufspüren und die Überlebenschance verdoppeln.

Ist der Tumor entdeckt, stellt sich den Ärzten die Frage nach Art der bestmöglichen Therapie. Wie dringend ein chirurgischer Eingriff erfolgen muss und ob Chemotherapie erfolgreich eingesetzt werden kann, soll zukünftig die Krebszelle selbst verraten. Wissenschaftler der University of Michigan haben dazu die verschiedenen Zelltypen genau charakterisiert. Da jede Zelle zu einem bestimmten Zeitpunkt spezifische Gene braucht und diese dann aktiviert, weisen sich die Zellen über dieses Genmuster ganz deutlich aus. So unterscheiden sich normale Zellen der Vorsteherdrüse von Zellen anderer Gewebetypen, ebenso wie bösartige Tumoren ein anderes molekulares Profil als gutartig veränderte Zellen besitzen.

Mit Hilfe so genannter DNA-Chips konnte das Team um den Pathologen Arul Chinnaiyan gleich einen Blick auf Tausende von Genen in Prostatazellen werfen. Indem sie Gewebeproben von 50 Männern untersuchten, erstellten sie für vier Gewebetypen ein jeweils charakteristisches Genprofil – normales Prostatagewebe, gutartig veränderte Zellen, örtlich begrenzte Tumorzellen und aggressive metastasierende Krebszellen. Bei ihren Untersuchungen fielen den Forschern zwei Gene besonders ins Auge: die Gene hepsin und pim-1. Beide könnten sich zukünftig als Biomarker eignen. Bislang vermuten die Forscher, dass hepsin in der Entwicklung des Tumors eine Schlüsselrolle spielt, da es bei Krebsvorläuferzellen – aus denen sich später Tumoren bildeten – in der höchsten Konzentration vorkam.

Nun, da der genetische Fingerabdruck der unterschiedlichen Prostatazellen vorliegt, könnte ein Blick auf ihn reichen, um den momentanen Entwicklungstand eines Prostatapatienten zu beurteilen. Eine Gewebeprobe könnte darüber Aufschluss geben, welche Therapie für den Betroffenen am erfolgversprechendsten sein könnte und damit seine Überlebenschancen steigern.

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