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Unterwasserarchäologie: Verschollenes Schiff wiederentdeckt

Parks Canada
Mit dem Arktiseis auf Rückzugskurs haben Archäologen freie Bahn: Kanadische Forscher konnten deshalb das erste Schiff aufspüren, das den letzten Teil der Nordwestpassage durchsegelte. Die HMS Investigator hatte auf ihrer Reise von Ost nach West das Meer zwischen den Inseln im kanadischen Nordpolarmeer durchquert, ihre Mannschaft musste den Segler allerdings 1853 im Packeis eingeschlossen zurücklassen. In der jetzt eisfreien Mercy Bay, die westlich der kanadischen Inselwelt, aber noch weit entfernt von der Beringstraße liegt, konnten die Forscher nun das Schiff per Sonar lokalisieren.

Sonarbild des 157 Jahre alten Schiffes | Einzelne Planken der "Investigator" mögen aus den Fugen geraten sein, doch sonst blieb das Schiff intakt.
Der Segler steht "aufrecht und in sehr gutem Zustand" im flachen Wasser, erklärt Marc-André Bernier, der Chef des Archäologenteams von Parks Canada. In einer Tiefe von etwa elf Metern kann man es sogar mit bloßem Auge erkennen. Das Eis hat Maste und Takelage fortgerissen, doch der Rest blieb dank der niedrigen Wassertemperatur sehr gut erhalten. In der nahe gelegenen Bucht fanden die Forscher außerdem drei Gräber von Seeleuten sowie zurückgelassene Ausrüstung.

Die Besatzung hatte ihr Schiff im Packeis aufgegeben, als sie im Jahr 1853 von der HMS Resolute gerettet wurde – nach drei Wintern im Eis. Der Kapitän der Investigator, Robert McClure, war 1850 angetreten, mit seiner 60-köpfigen Mannschaft die beiden Schiffe Erebus und Terror aufzuspüren: Diese war vier Jahre vorher spurlos verschwunden, als sie für das britische Empire die Nordwestpassage entdecken sollte.

Von der Nordwestpassage versprachen sich schon lange vorher Jacques Cartier, Francis Drake und James Cook einen kürzeren Seeweg nach Asien. Doch nach McClures Beinahe-Erfolg sollte erst Roald Amundsen 1903-1906 die komplette Durchquerung der Nordwestpassage bis zur Bering-Straße gelingen – ohne das Schiff zurücklassen zu müssen.

Claudia Reinert

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