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Altamerikanistik: Verspeisten die Xixime-Indianer ihre Feinde?

Verspeisten die Xixime-Indianer ihre Feinde?
Das Volk der Xixime im nördlichen Mexiko pflegte wohl einst kannibalische Kultpraktiken – so die jüngsten Ergebnisse mexikanischer Anthropologen, die anhand menschlicher Knochenfunde nachgewiesen haben wollen, was aus Erzählungen spanischer Missionare des 17. Jahrhunderts schon lange bekannt war: Die Xixime-Indianer aßen das Fleisch ihrer Feinde.

Die Xixime legten ihre ... | ... Siedlungen in den Höhlen steiler Felswände an. Darin errichteten sie geräumige Lehmhäuser, zum Teil zweistöckig. Die Maguey-Höhle, wo die menschlichen Knochen gefunden wurden, liegt auf 2600 Meter Höhe.
In einer Höhlensiedlung der Xixime aus dem 15. Jahrhundert in der Sierra de Durango entdeckten Archäologen rund 40 Menschenknochen, von denen 80 Prozent mit Werkzeugen vom Fleisch befreit und ausgekocht worden waren. Wie José Luis Punzo vom Instituto Nacional de Antropología e Historia erklärt, stammen die Knochen vermutlich von getöteten Feinden, die man im Rahmen von Kriegs- und Fruchtbarkeitskulten verspeist hatte.

Andere Experten hegen hingegen Zweifel an dieser Deutung. Nikolai Grube, Professor für Altamerikanistik an der Universität Bonn, kann in den Knochenfunden keine eindeutigen Beweise für Kannibalismus erkennen: "Dass die Knochen abgeschabt und gekocht wurden, beweist nicht, dass die Xixime das Fleisch auch verspeisten. Solche Praktiken sind ebenso gut als Teil bestimmter Totenkulte vorstellbar."

Ob die Indianer Nordamerikas zu Kannibalismus neigten, wird seit Langem kontrovers diskutiert. Zuletzt sorgten Entdeckungen in einer Siedlung der Anasazi-Indianer im heutigen US-Bundesstaat Colorado für Furore unter Fachleuten: In Kochtöpfen und vertrockneten menschlichen Exkrementen des 12. Jahrhunderts fanden sich Spuren des menschlichen Eiweißes Myoglobin.

Katharina Bolle

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