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Frühe Ernährung

Verträglichkeit für Milchzucker entstand überraschend spät

Die Laktoseverträglichkeit entwickelte sich bei Menschen vermutlich im Zuge von Landwirtschaft und Viehzucht. Das dauerte allerdings überraschend lange.
Felsenbein eines menschlichen Schädels

In Westeuropa ist es für die meisten Menschen ganz normal, täglich Milchprodukte zu konsumieren. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung leidet an einer so genannten Laktoseintoleranz und kann Milchzucker nicht richtig verdauen. Das war jedoch nicht immer so. Denn bei Säugetieren ist eine Milchzuckerunverträglichkeit eigentlich der Normalzustand; die Fähigkeit, Laktose zu verwerten, schwindet üblicherweise nach dem Säuglingsalter, indem die Produktion des Verdauungsenzyms Laktase, das Milchzucker spaltet, schlicht abnimmt. Dass der Mensch in einigen Regionen der Welt noch bis ins hohe Alter Milchprodukte verzehren kann, hat er vermutlich einer Mutation zu verdanken, die zu einer Laktasepersistenz führte und sich im Zuge von Landwirtschaft und Viehzucht durchsetzte.

Felsenbein eines menschlichen Schädels
Felsenbein eines menschlichen Schädels

Neue Analysen von DNA-Material, das Forscher aus Knochenüberresten verschiedener stammesgeschichtlicher Epochen gewannen, zeigen nun jedoch, dass diese Fähigkeit offenbar sehr langsam entstand. So konnten die Menschen in Europa selbst 5000 Jahre nach dem Beginn der Landwirtschaft noch keinen Milchzucker verdauen.

Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihren Untersuchungen auf Proben aus der Innenohrregion von 13 Individuen, deren Überreste man bei archäologischen Ausgrabungen in Ungarn fand. Gelebt hatten sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen 5700 und 800 vor Christus. Da das Felsenbein, welches das Innenohr umgibt, der härteste Knochen im menschlichen Schädel und demnach in aller Regel gut erhalten ist, eignet er sich besonders für DNA-Analysen.

"Unsere Befunde zeigen, dass die Hautpigmentierung im Lauf der Zeit heller wurde, als Jäger und Sammler die ersten Farmer heirateten", sagt Studienautor Ron Pinhasi vom University College Dublin. "Überraschenderweise fanden wir aber keine Hinweise auf eine erhöhte Laktasepersistenz oder eine Laktosetoleranz." Das deute darauf hin, dass unsere Vorfahren zwar schon früh Nutztiere wie Kühe, Ziegen oder Schafe hielten, aber trotzdem genetisch noch nicht in der Lage waren, größere Mengen ihrer Milch zu trinken.

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