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Vorurteile: Vertrauen ist gut, unbewusst noch besser

Implizite Einstellungen prägen unser Vertrauen gegenüber Personen anderer Hautfarbe stärker als die bewusste Geisteshaltung.
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Will mich dieser Händler über den Tisch ziehen? Soll ich mit jenem Kollegen kooperieren? Die Antwort auf solche Fragen hängt weniger von der objektiven Faktenlage ab als vielmehr von den eigenen Vorurteilen – wie eine aktuelle Studie von Psychologen um Elizabeth Phelps von der New York University belegt.

Die Forscher hatten 50 Probanden verschiedener ethnischer Herkunft zunächst per Fragebogen über ihre Einstellungen gegenüber hell- und dunkelhäutigen Menschen befragt. Außerdem bestimmten sie per "Implizitem Assoziationstest" (IAT) die unbewussten Ressentiments der Teilnehmer: Bei diesem Verfahren werten Wissenschaftler Unterschiede in den Reaktionszeiten als Indiz für verborgene Vorurteile. Wer etwa eine Taste, die zuvor mit negativen Begriffen assoziiert worden war, deutlich schneller bei der Präsentation eines Afroamerikaners betätigt, als wenn ein mitteleuropäischer Typ auf einem Bildschirm erscheint, der hegt womöglich unbewusst Vorbehalte gegenüber der betreffenden Ethnie.

Sodann glich Phelps' Team die gewonnen Daten damit ab, für wie vertrauenswürdig die Probanden 30 Personen unterschiedlicher Herkunft hielten, deren Fotos sie betrachteten. Siehe da: Die impliziten Urteile – nicht jedoch die offen artikulierte Haltungen – waren hierbei ausschlaggebend! Als es darum ging, einem vermeintlich sicheren Geschäftspartner eine beliebige Summe Geldes anzuvertrauen, zeigte sich ein ähnlicher Effekt. Auch die gewährten Finanzmittel hingen statistisch viel stärker mit den unbewussten Einstellungen zusammen als mit dem, was die Probanden in der Befragung zu Protokoll gegeben hatten – und konnten sogar deren ausdrücklicher Meinung widersprechen. Das galt zum Beispiel auch für Schwarze, die Weiße implizit besonders wertschätzten, oder Personen, die auf Grund schlechter Erfahrungen ihre eigene Ethnie unbewusst verachteten.

Fazit der Forscher: Unser Verhalten gegenüber Menschen anderer Herkunft bestimmt wohl eher der Bauch als der Kopf. Und im Gegensatz zur so genannten Bauchentscheidung registrieren wir nicht einmal, dass unser Gehirn automatisch ein Urteil gefällt hat – wir glauben, rein faktenorientiert zu handeln. (gw)

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