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Paläontologie: Verursachten Vulkane das Perm-Massenaussterben?

Der Ausbruch eines Super-Vulkans auf dem Gebiet des heutigen Sibiriens könnte vor etwa 250 Millionen Jahren das Massenaussterben von unter anderem etwa zwei Dritteln aller damals lebenden Reptilien- und Amphibienfamilien erklären.

Die Eruption – die mit Unterbrechungen ungefähr eine Million Jahre andauerte – hätte nach Angaben von Geowissenschaftlern um Mark Sephton vom Imperial College in London nicht nur den mit ein bis vier Millionen Kubikkilometern bis heute größte nachgewiesenen Ausstoß von Basaltlava verursacht, sondern gleichzeitig auch immense Mengen schwefelhaltiger Vulkangase freigesetzt. Diese zerstörten die Ozonschicht der Erde und bewirkten eine Übersäuerung von Land und Meer. In der Folge starben im globalen Rahmen große Flächen an Vegetation ab, sodass deren Wurzeln nicht mehr länger das Bodensubstrat halten konnten.

Anschließend wurde das Substrat in die umliegenden Ozeane geschwemmt und trübte dort Wasser. Gleichzeitig verbrauchte der biochemische Abbau des organischen Materials den gelösten Sauerstoff: Die Kombination aus Licht- und Sauerstoffarmut setzte die marinen Ökosysteme ebenfalls einem erhöhten Stress aus, ein zweites Massenaussterben in den Ozeanen folgte – ihm fielen dort sogar neunzig Prozent der Arten zum Opfer.

Sephton und seine Kollegen stützen ihre Begründung auf den Fund von stark erhöhten Konzentrationen charakteristischer Moleküle in Perm-Gesteinen aus den italienischen Dolomiten. Dieses Gebirge besteht größtenteils aus ehemaligen marinen Kalkablagerungen und wurde im Zuge der Alpenbildung gehoben. Die in den Kalkgesteinen nun gefundenen chemischen Verbindungen entstanden während der Perm-Krise bei der Fossilisierung von langkettigen Zuckern – den Polysacchariden –, die sich vornehmlich in Pflanzen und Böden finden. Unter normalen Umständen werden sie rasch von Mikroorganismen zersetzt, was in diesem Fall wegen der großen Menge jedoch großteils nicht erfolgte.

Unter den damals ausgestorbenen Reptilien befanden sich auch die so genannten Synapsiden, die bereits große Ähnlichkeit mit Säugetieren hatten. Bisherige Theorien für das Perm-Massenaussterben zogen Asteroiden-Einschläge oder starke Methan-Emissionen aus der Tiefsee in Betracht.

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