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Krankheiten: Verwandter des Sars-Erregers bei Fledermäusen gefunden

In Chinesischen Hufeisennasen-Fledermäusen (Rhinolophus sinicus) aus Hongkong wurde ein Coronavirus gefunden, das sehr nahe mit dem Auslöser der schweren Lungenkrankheit Sars verwandt ist.

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Chinesische Hufeisennase | Ein dem Sars-Virus nah verwandtes Coronavirus haben Forscher in Chinesischen Hufeisennasen-Fledermäusen entdeckt.
Vierzig Prozent aller von Susanna Lau und ihren Kollegen von der Universität Hongkong untersuchten Exemplare der Fledermausart trugen diesen nun neu entdeckten Virus in sich, und insgesamt 84 Prozent der Tiere wiesen Antikörper auf. Die von den Forschern gemachten Genanalysen zeigten dabei eine enge Übereinstimmung des Erbguts des neuen Virenstamms mit jenen der in Menschen und Larvenroller (Paguma larvata) isolierten Erreger. Alle gehen folglich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück. Die größten Unterschiede zwischen dem Fledermaus- und dem Larvenrollervirus liegen auf den ORF 3 und ORF 8 genannten Genen, die auch die größten Variabilitäten zwischen dem auf Menschen übergangenen Coronavirus und jenem der Larvenroller aufweisen.

Gerade die Larvenroller galten lange als Auslöser der Sars-Epidemie, die mehr als 800 Menschen weltweit das Leben kostete. Später kamen jedoch Zweifel auf, ob diese marderartigen Säugetiere – die als Leckerbissen in Südchina gelten – der eigentliche Wirt des Coronovirus sind oder ob sie nur eine Zwischenstation waren, in der sich der Krankheitserreger so veränderte, dass er leicht vom Tier zum Menschen und unter den Menschen weitergegeben werden konnte. Die Mikrobiologen wissen allerdings noch nicht, ob auch die Hufeisennasen nur ein Zwischenwirt darstellen, oder ob sie das eigentliche Reservoir der Viren darstellen.

Wegen der Beliebtheit der Fledermäuse als Delikatesse und der Verwendung ihres Kots als Teil der traditionellen chinesischen Medizin raten die Wissenschaftler jedoch zu äußerster Vorsicht im Umgang mit den Fledertieren. Zudem liegen zwischen Wildtiermarkt in Shenzhen, der als Epizentrum des Sars-Ausbruch von 2003 gilt, und der nächsten Heimstatt der Fledermäuse mit dem neuen Virenstamm nur etwa 17 Kilometer: Eine Übertragung auf diese Weise kann also nicht ausgeschlossen werden.
13.09.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 13.09.2005

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