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News: Viel gewinnt

Die Anzahl von Pflanzen- und Tierarten schrumpft seit einiger Zeit weltweit beständig. Bisher stritten sich jedoch Experten um die Frage, ob in der Landwirtschaft, in der es auf die Produktion von Biomasse ankommt, ein möglichst arten- und lebensraumreiches Ökosystem überhaupt besser ist als die Konzentration auf einige Spezies. Doch eine Langzeitstudie hat es jetzt bewiesen: Diversität ist auch in der Kulturlandschaft nicht zu schlagen.
Diversität oder keine Diversität auf Agrarflächen – das war lange die Frage in Forscherkreisen. Dass die globale Artenvielfalt seit geraumer Zeit beständig zurück geht, darin waren sich die Experten einig. Wohin soll aber vor diesem Hintergrund die Reise gehen für die moderne Landwirtschaft? Weg von der Konzentration auf wenige Arten, trotz der durch Hilfsmittel wie Kunstdünger erzeugten hohen Biomasse sowie der Verbrauchernachfrage nach optisch schönen Erzeugnissen? Oder noch weiter weg von Bearbeitungsweisen der "guten alten Zeit", da zu teuer, zu wenig produktiv und nicht mit den selben Hochglanzprodukten gekrönt wie der Intensivanbau?

Artenvielfalt von Pflanzen auf Agrarflächen spielt eine wesentliche Rolle für das Gedeihen der Kulturpflanzen und bei der Produktion von Biomasse. Das haben jetzt David Tilman und seine Kollegen von der University of Minnesota in St. Paul zusammen mit Forschern der University of Nebraska in Lincoln in einer Langzeitstudie bewiesen und die Diskussion auf ein solides Fundament gestellt.

Ökologische Langzeitstudien sind aussagekräftig und bestens geeignet, um über komplexe Zusammenhänge wie die Wirkungsweisen in einem Ökosystem Auskunft zu geben. Selten sind sie leider auch, denn: Viel Geld und Ausdauer benötigt man für ein Ergebnis. Tilman belegte durch seine siebenjährigen Experimente, in denen er 168 Probeflächen mit einer unterschiedlichen Pflanzenartenzahl überwachte, dass keine einzeln angebaute Art so gut gedeihen kann – und damit eine so hohe Biomasse produziert – wie ein "Mix" von verschiedenen Arten nebeneinander.

Die Forscher konnten noch etwas statistisch nachweisen: Der so genannte "Versuchseffekt" - ein viel genannter Experteneinwand in der Diversitäts-Diskussion - ist nicht für größere Diversität und Produktion von mehr Biomasse auf diesen Flächen verantwortlich. Dabei soll es auf Flächen mit vielen Arten wahrscheinlicher als auf Monokulturen sein, dass eine Art alleine eine hohe Biomasse produziert und so das Ergebnis für die Gesamtfläche und für den Vergleich mit einer Monokultur verfälscht.

Flächen mit hoher Diversität sind deshalb so produktiv, betont Tilman, weil die Spezies die vorhandenen Ressourcen besser ausnutzen und voneinander profitieren. Keine Einzelart kann das alles alleine. Gleichzeitig ist das Ökosystem gegenüber wechselnden Umweltbedingungen besser gewappnet.

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