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News: Viele Haifischbestände sind überfischt

Die Bestände vieler Haifisch- und Rochenarten sind nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weltweit stark überfischt. Es werden wesentlich mehr Haie gefangen als nachwachsen können, so die FAO. Sollten die zunehmenden Fangmengen nicht bald verringert werden, seien viele weitere Haifischarten in Gefahr.
Rund 70 Staaten, darunter die grossen Fischereinationen sowie Nichtregierungs- und Fischereiorganisationen nehmen an einer internationalen Tagung der FAO teil, die vom 26. bis 30. Oktober 1998 in Rom stattfindet. Es wird damit gerechnet, daß die Delegierten einen "Internationalen Aktionsplan für den Schutz und die Nutzung von Haifischen", einen "Aktionsplan zur Verringerung der Beifänge von Seevögeln in der Langleinenfischerei" und ein "Abkommen zur Flottenkapazität" verabschieden werden.

Haifische liefern Millionen von Menschen Protein, darüberhinaus werden ihr Fleisch, ihre Haut, ihre Flossen für Haifischflossensuppe sowie ihr Knorpel vermarktet. Haifische sind besonders anfällig für massive Eingriffe und eine starke Überfischung, da sie nur langsam wachsen und sich nur gering vermehren. Werden Haifischbestände leergefischt, dauert es Jahre, bis sie sich wieder erholen.

Die kommerzielle Ausbeutung der Haifischbestände hat in den vergangenen 20 Jahren dramatisch zugenommen, so die FAO. Die Fangmengen sind von rund 272 000 Tonnen im Jahre 1950 auf 760 000 Tonnen im Jahre 1996 gestiegen. Die wichtigsten Haifisch-Fangnationen sind: Indonesien, Indien, die USA, Pakistan, Mexiko und Taiwan, sowie Japan, Argentinien, Sri Lanka, Brasilien, Malaysia, Frankreich, Großbritannien, die Republik Korea, Thailand, Spanien, Neuseeland und die Malediven.

Die Haifisch-Fischerei nimmt vor allem wegen des rasch wachsenden internationalen Handels mit Haifischflossen weiter zu, betonte die FAO. Haifischflossen gelten als eines der teuersten Fischprodukte und sind vor allem in Asien für die Haifisch-Flossensuppe begehrt. Haifische werden meistens nicht direkt gefischt sondern landen als Beifänge beim Thunfisch- Schwertfisch-, Garnelen- und Tintenfischfang in den Netzen. Viele Tiere werden wieder ins Meer geworfen, nachdem ihnen die Flossen abgeschnitten worden sind. Beim Thunfischfang Japans, Chinas und Taiwans werden die höchsten Beifänge erzielt. Die Haifisch- und Rochenbeifänge, die allgemein nicht von den Statistiken erfasst werden, wurden für Ende der 80er Jahre auf 260 000 bis 300 000 Tonnen geschätzt, das sind rund 12 Millionen Tiere, hauptsächlich Blauhaie.

In Deutschland wird Haifisch-Fleisch geräuchert als "Seeaal" und "Schillerlocke" angeboten. Das Fleisch stammt vom Dornhai, dessen Bestände in der Nordsee und im Nordatlantik stark befischt werden, so die FAO.

Die Welternährungsorganisation schätzt, daß wegen der dramatisch angestiegenen Befischung viele Haifisch-Bestände in Gefahr sind. Es gebe Anzeichen dafür, dass von den 100 befischten Haifischarten rund 20 überfischt sind. Besonders betroffen sind: Seidenhai, Riesenhai, Heringshai, Glatthai, Dornhai, Schwarzhai, Hundshai und Kurzflossen-Mako.

Für den Schutz und die Nutzung von Haifisch-Beständen gibt es bislang keinerlei internationale Vereinbarungen. Australien, Kanada, Neuseeland und die USA, allerdings nur an der Atlantikküste, regeln den Haifischfang in ihren jeweiligen nationalen Gewässern. Auflagen und Schutzbestimmungen gibt es nur in Südafrika, Australien, Großbritannien, Kanada, USA, Brasilien, Philippinen und Israel.

Der freiwillige internationale Aktionsplan für den Haifischfang, der in Rom verabschiedet werden soll, sieht vor, daß "Schutz und Nutzung darauf ausgerichtet sein sollen, die Todesrate gering zu halten, so daß jede Art sich regenerieren kann". Jeder Staat solle ein Gremium einrichten, das den nationalen Haifischbestand erfaßt und nationale Fangpläne entwickelt, die jährlich veröffentlicht werden sollen. Das Ziel des Aktionsplans ist es, die Bestände nachhaltig zu befischen; Beifänge zu verringern; die Fischerei zu stoppen, die nur auf Haifischflossen abzielt; gefangene Tiere vollständig zu verwerten. Die Fangpläne, die wenigstens für die am meisten gefährdeten Haifischarten gelten, sollen spätestens im Jahre 2001 in Kraft treten.

Die FAO wies außerdem darauf hin, daß zunehmend Seevögel bei der Langleinenfischerei getötet werden, vor allem beim Fang von Thunfisch-, Schwertfisch- und Marlins. Mehr als 60 Vogelarten seien davon betroffen. Am stärksten gefährdet seien die Albatrosse im Südlichen Ozean. "Die Todesrate ist bei einigen Vogelarten so hoch, daß ihre Bestände deutlich sinken". warnte die FAO.

Die Langleinen-Fischerei benutzt Fanghaken mit Ködern, die allerdings, wenn sie ins Meer gelassen werden, nicht sofort versinken. Viele Seevögel werden bei dem Versuch, die Köder zu ergattern, von den Haken und der Leine in die Meerestiefe gerissen. Die Todesraten sind in den fisch- und vogelreichen Gewässern des Atlantiks, des Nordpazifik und der südlichen Ozeane besonders hoch.

Der internationale Aktionsplan für Seevögel empfiehlt, die Fangleinen direkt vom Schiff ins Wasser zu lassen, so daß die Vögel mit den Ködern nicht in Berührung kommen sowie Fangleinen zu benutzen, die die Vögel abschrecken. Besonders wirksam sei es, die Leinen nachts ins Meer zu lassen. Die FAO schätzt, dass der Beifang von Seevögeln mit Hilfe dieser relativ einfachen und kostengünstigen Massnahmen bis zu 90 Prozent gesenkt werden könne.

(weitere Informationen zur FAO-Fischereikonferenz finden Sie unter: http://www.fao.org/WAICENT/FAOINFO/FISHERY/ faocons/faocons.htm)

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