Rückblick: Die Sonnenaktivität im Januar : Viele Flecken, starke Polarlichter

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres gab es eine sehr ungleichmäßige Verteilung der Sonnenflecken nach Längengraden. So registrierten irdische Beobachter infolge der rund vierwöchigen Sonnenrotation über mehrere Monate hinweg ein regelmäßiges Auf und Ab der Fleckenzahlen. Doch damit war im Januar erst einmal Schluss, denn nun brachten auch die bisher inaktiven Bereiche neue Fleckengruppen hervor, wenn auch keine außergewöhnlich großen. Dies führte zu einem weiteren leichten Anstieg der Monatsrelativzahl R. Das Beobachternetz der Fachgruppe Sonne der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde (VdS) ermittelte für den Monat Januar eine vorläufige Relativzahl von R = 111,8, nach Werten von 105,8 im Dezember und 92,1 im November vergangenen Jahres. Diese Entwicklung verläuft zwar entgegen dem langfristigen Trend – einem langsamen Rückgang der Aktivität nach ihrem Maximum im Sommer 2024 –, aber solche Unregelmäßigkeiten sind bei der Sonne völlig normal.
Die im Januar 2026 sichtbaren Fleckengruppen waren zeitweise recht zahlreich, dafür jedoch nicht sehr ausgedehnt (siehe »Viele kleine Flecken«). Solche Gruppen entwickeln keine komplexen Magnetfelder, die kräftige Eruptionen (englisch: flares) hervorbringen. Dies erklärt, warum trotz recht ansehnlicher Relativzahlen die Zahl solcher Ereignisse im selben Monat recht niedrig blieb. Abgesehen von einem Flare am 18. Januar, der die stärkste Klasse X erreichte, gab es nur noch einen weiteren Strahlungsausbruch am 11. Januar, der zweitstärksten Klasse M. Der X-Flare löste einen koronalen Massenauswurf aus: eine große Plasmawolke, die sich mit hoher Geschwindigkeit in den interplanetaren Raum ausbreitete. Ein Teil dieser Wolke erreichte die Erde und versetzte ihr Magnetfeld in Unruhe. Der geomagnetische Sturm führte zu besonders schönen Polarlichtern, die über ganz Europa sichtbar waren (siehe »Polarlicht über Kiel«).
Normalerweise ist der europäische Winter wegen des niedrigen Sonnenstands eine eher ungünstige Zeit für Beobachtungen unseres Zentralgestirns. Bisweilen ermöglicht jedoch ruhiges Hochdruckwetter bei der Sonnenbeobachtung und -fotografie sehr scharfe Bilder. So werden in den Penumbren der Flecken feinste Details sichtbar (siehe »Mit hoher Auflösung«). Zudem zeigen sich in solchen Momenten kleinräumige heiße Blasen, die aus tieferen Schichten an die sichtbare Sonnenoberfläche aufsteigen und ihr ein körniges Aussehen verleihen: die sogenannte Granulation.
Selbst unter nicht optimalen Bedingungen lohnte es sich also, das Tagesgestirn im Blick zu behalten – zumal sich Anfang Februar die Aktivität wieder schlagartig erhöhte. Daran beteiligt war eine sehr schnell wachsende Fleckengruppe, die starke Flares hervorbrachte. Über den weiteren Verlauf werden wir berichten; stellen Sie ihr Sonnenteleskop also nicht zu weit weg!
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