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Rückblick: Die Sonnenaktivität im Januar : Viele Flecken, starke Polarlichter

Zu Jahresbeginn legte die Sonnenaktivität etwas zu, indem einige zuvor inaktive Bereiche neue Fleckengruppen hervorbrachten. Eine auf die Erde gerichtete intensive Eruption am 18. Januar 2026 sorgte in den beiden folgenden Nächten über ganz Europa für Polarlichter. Erst in den letzten Januartagen wurde es vorübergehend ruhiger. 
Eine detaillierte Aufnahme der Sonnenoberfläche, die mehrere dunkle Sonnenflecken zeigt. Diese Flecken sind unregelmäßig verteilt und variieren in Größe. Die Oberfläche der Sonne erscheint körnig, was auf die Granulation hinweist. Unten im Bild ist die URL "www.frank-stefani.de" sichtbar.
Viele kleine Flecken | Die Übersichtsaufnahme einer nahezu symmetrisch gesprenkelten Sonne gelang Frank Stefani am 21. Januar 2026. Er nutzte einen Refraktor des Typs Askar FRA 500 und eine Astrokamera ZWO ASI 53MC Pro.

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres gab es eine sehr ungleichmäßige Verteilung der Sonnenflecken nach Längengraden. So registrierten irdische Beobachter infolge der rund vierwöchigen Sonnenrotation über mehrere Monate hinweg ein regelmäßiges Auf und Ab der Fleckenzahlen. Doch damit war im Januar erst einmal Schluss, denn nun brachten auch die bisher inaktiven Bereiche neue Fleckengruppen hervor, wenn auch keine außergewöhnlich großen. Dies führte zu einem weiteren leichten Anstieg der Monatsrelativzahl R. Das Beobachternetz der Fachgruppe Sonne der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde (VdS) ermittelte für den Monat Januar eine vorläufige Relativzahl von = 111,8, nach Werten von 105,8 im Dezember und 92,1 im November vergangenen Jahres. Diese Entwicklung verläuft zwar entgegen dem langfristigen Trend – einem langsamen Rückgang der Aktivität nach ihrem Maximum im Sommer 2024 –, aber solche Unregelmäßigkeiten sind bei der Sonne völlig normal.

Die im Januar 2026 sichtbaren Fleckengruppen waren zeitweise recht zahlreich, dafür jedoch nicht sehr ausgedehnt (siehe »Viele kleine Flecken«). Solche Gruppen entwickeln keine komplexen Magnetfelder, die kräftige Eruptionen (englisch: flares) hervorbringen. Dies erklärt, warum trotz recht ansehnlicher Relativzahlen die Zahl solcher Ereignisse im selben Monat recht niedrig blieb. Abgesehen von einem Flare am 18. Januar, der die stärkste Klasse X erreichte, gab es nur noch einen weiteren Strahlungsausbruch am 11. Januar, der zweitstärksten Klasse M. Der X-Flare löste einen koronalen Massenauswurf aus: eine große Plasmawolke, die sich mit hoher Geschwindigkeit in den interplanetaren Raum ausbreitete. Ein Teil dieser Wolke erreichte die Erde und versetzte ihr Magnetfeld in Unruhe. Der geomagnetische Sturm führte zu besonders schönen Polarlichtern, die über ganz Europa sichtbar waren (siehe »Polarlicht über Kiel«).

Polarlicht über Kiel | Eine auf die Erde gerichtete Sonneneruption, die sich am 18. Januar 2026 ereignet hatte, führte zu Polarlichtern über Europa. Am 19. Januar 2026 um 00:03 Uhr MEZ nahm Martin Vahlbruch dieses zehn Sekunden belichtete Bild mit einer Nikon D 850 bei Blende 2,8 auf: »Ich hatte mich schnell an die Küste aufgemacht, um nach der Meldung über die überraschende Stärke der Polarlichter freien Blick zu bekommen; dieses Mal fiel die Wahl auf Schilksee«, berichtet der Astrofotograf. »Gegen Ende des besonders starken Ausbruchs, etwa um Mitternacht, fielen meeresbodenartige Rippelungen in den grünen Bereichen auf. Dabei handelt es sich um das 2020 neu klassifizierte seltene Dune-Polarlicht, wohl hervorgerufen durch Schwerewellen in der oberen Atmosphäre, in etwa 100 Kilometern Höhe.«

Normalerweise ist der europäische Winter wegen des niedrigen Sonnenstands eine eher ungünstige Zeit für Beobachtungen unseres Zentralgestirns. Bisweilen ermöglicht jedoch ruhiges Hochdruckwetter bei der Sonnenbeobachtung und -fotografie sehr scharfe Bilder. So werden in den Penumbren der Flecken feinste Details sichtbar (siehe »Mit hoher Auflösung«). Zudem zeigen sich in solchen Momenten kleinräumige heiße Blasen, die aus tieferen Schichten an die sichtbare Sonnenoberfläche aufsteigen und ihr ein körniges Aussehen verleihen: die sogenannte Granulation.

Mit hoher Auflösung | Diese Fleckengruppe mit zahlreichen Details konnte Enrico Enzmann am 21. Januar 2026 trotz niedrigen Sonnenstands fotografieren. In der Umgebung der Gruppe zeigt sich eine feine Textur, die Granulation. Ruhiges Hochdruckwetter südlich von München und ein abgeblendetes 1-Meter-Spiegelteleskop ermöglichten die Aufnahme mit einer Astrokamera des Typs ZWO ASI 290MM.

Selbst unter nicht optimalen Bedingungen lohnte es sich also, das Tagesgestirn im Blick zu behalten – zumal sich Anfang Februar die Aktivität wieder schlagartig erhöhte. Daran beteiligt war eine sehr schnell wachsende Fleckengruppe, die starke Flares hervorbrachte. Über den weiteren Verlauf werden wir berichten; stellen Sie ihr Sonnenteleskop also nicht zu weit weg!

Wie geht es weiter? | In den kommenden Monaten wird die Sonnenaktivität leicht abnehmen. Dargestellt ist der Verlauf der Relativzahl gemäß der seit dem 1. Juli 2015 international gültigen Zählweise des Solar Influences Data Analysis Center (SIDC).

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