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News: Vier Vulkane im Halbschlaf

Ein Vulkan, der weder raucht noch Feuer spuckt, muss noch lange nicht ungefährlich sein. Geophysiker konnten jetzt anhand von Satellitendaten vier bisher unterschätzte aktive Vulkanregionen in den Anden ausmachen.
Satelliten-Radar-Messung
Am 20. Juli 2000 schleuderte der chilenische Vulkan Lascar eine über zehn Kilometer hohe Aschewolke in die Atmosphäre. Gerade erst sieben Jahre zuvor hatte er eine 24 Kilometer hohe Eruptionssäule ausgespuckt und eine über sieben Kilometer lange Glutlawine talwärts geschickt.

Lascar gehört zu den aktivsten Vulkanen der Anden - und wird doch nur sehr unregelmäßig beobachtet. Zwar wirkt der ausgeprägte Vulkanismus der südamerikanische Gebirgskette wie ein Magnet auf Vulkanologen und Geophysiker weltweit, doch ist das Gelände einfach zu weitläufig, oft nur schwer zugänglich und mit 900 Vulkanen - darunter 50 bekanntermaßen aktiven - schier nicht zu überwachen.

Die Geophysiker Matthew Pritchard und Mark Simons vom California Institute of Technology in Pasadena sparten sich daher die Anreise gleich ganz und beobachteten die Vulkanaktivitäten in den Anden mithilfe von Daten der European Space Agency (ESA).

Die stammen von einem Satelliten, der beim Überfliegen Radarsignale zur Erde sendet und deren Laufzeiten berechnet. Auf seiner nächsten Runde wiederholt er diesen Vorgang von ungefähr derselben Position aus und vergleicht die Zeiten. Weichen sie voneinander ab, lässt sich aus der Phasenverschiebung berechnen, um wie viel sich die Erdoberfläche an dieser Stelle gehoben oder gesenkt hat.

Die Forscher versuchen so, die Bewegungen von Magmenkammern in der Erdkruste, die der eigentliche Motor und Lava-Lieferant der Vulkane sind, zu überwachen. Um dieses Prinzip zu erläutern, vergleicht Pritchard die Magmenkammern mit Ballons unter einer dünnen Kruste, die sich entweder aufblasen oder Luft ablassen. Füllt sich die Magmenkammer, hebt sich auch die Erdoberfläche - so die Idee.

Pritchard und Simons werteten nun die gesammelten Radardaten von 1992 bis 2000 aus und stellten fest, dass sich die 50 bekannten aktiven Vulkane nicht merklich gehoben oder gesenkt hatten - und das, obwohl auch die beiden großen Eruptionen des Lascar in den Beobachtungszeitraum fielen.

Doch in vermeintlich ungefährlichen Gegenden machten die Forscher erstaunliche Entdeckungen: Die Oberflächen dreier Vulkane in Peru, Bolivien und Chile, die bislang als schlafend eingestuft wurden, verformen sich derzeit durch Magmenbewegungen oder hydrothermale Aktivitäten darunter - und erreichen dabei teilweise Hebungsraten von über zwei Zentimetern pro Jahr.

Eine vierte rumorende Gegend an der argentinisch-chilenischen Grenze war bisher sogar weitgehend unbekannt. Als besonders beobachtenswert stufen die Forscher dabei das Gebiet um den peruanischen Vulkan Hualca Hualca ein. Bei einem Ausbruch könnten dort bis zu 35 000 Menschen durch Schlammlawinen, Hangrutschungen oder heiße Aschen, Gase und Lavabrocken gefährdet sein.

Unterdessen wollen die Forscher ihre Radarüberwachung aus dem All weiter ausbauen. Denn mithilfe von Feldbeobachtungen oder Daten des Global Positioning System (GPS) hätten sie diese vulkanischen Aktivitäten nie aufspüren können. Außerdem ist das Verfahren wesentlich kostengünstiger als die aufwändige Überwachung eines Vulkan vor Ort.

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