Direkt zum Inhalt

Virologie: Virus doch nicht schuld am Bienen-Massensterben

<i>Apis mellifera</i>
Die Ursache des seit gut drei Jahren grassierenden, rätselhaften Massensterbens amerikanischer Bienenvölker bleibt mysteriös. Ein vermeintlich aus Australien eingeschlepptes Virus, das noch im Sommer als möglicher Verursacher der Colony Collapse Disorder (CCD) ausgemacht war, zirkulierte offenbar schon lange vor der Epidemie auch unter amerikanischen Insektenvölkern, ohne dabei aber auffällige Symptome ausgelöst zu haben, berichten Bienenforscher des US-Landwirtschaftsministeriums.

Yanping Chen und Jay Evans hatten ältere Gen-Proben von US-amerikanischen Bienenkolonien gründlich auf eine Infektion mit dem Israel Acute Paralysis Virus (IAPV) untersucht. Sie entdeckten dabei Hinweise auf Vorkommen des Erregers schon im Jahr 2002. Frühere Analysen hatten im Sommer noch ergeben, dass dieses Virus nur in jenen US-amerikanischen Bienenvölkern vorkommt, die nach 2004 von CCD betroffen waren. In gesunden Völkern fehlte es dagegen vermeintlich. Zudem hatten die ersten Untersuchungen nahe gelegt, dass das Virus möglicherweise kurz vor dem Zeitpunkt der ersten Massensterben mit australischen Bienenstöcken eingeschleppt wurde. Dieses Szenario kann nach den neuen, gründlichen Analysen jetzt aber ausgeschlossen werden.

Schon vorher war für viele Forscher fraglich, ob CCD tatsächlich durch IAPV ausgelöst wird; auch Stress der ständig in den USA transportierten Bestäuber-Völker galt als möglicher Auslöser, zudem auch Pestizide, Parasiten, Klimaänderungen, Mangelernährung oder die Strahlung von Mobiltelefon-Sendern. Eine singuläre Ursache konnte bislang nicht entlarvt werden.

Bei der CCD verlassen die Arbeitervölker ihren Stock und lassen ihn ohne ersichtlichen Grund mitsamt Königin, Nachwuchs und gesammelter Nahrung zurück. Im Jahr 2004 gingen wegen der rätselhaften Verhaltensänderung der Bienen ein Viertel der rund 2,4 Millionen Völker der USA verloren, bis zu 90 Prozent aller Völker waren in manchen Regionen betroffen. Die hochindustrialisierte Bestäubungs- und Honigindustrie sieht dadurch ihre Umsätze in Milliardenhöhe bedroht. Auch Deutschland, die Schweiz, Spanien, Italien und Portugal meldeten einige Fälle. (jo)

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte