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Virologie: Riesenvirus aus totem Zebra tötet Anthraxkeime

Tsama-Virus

In an Milzbrand verendeten Zebras haben Forscher neben den tödlichen Anthraxbakterien auch ein mögliches Gegenmittel gegen den auch für Menschen gefährlichen Keim entdeckt: ein überraschend großes Virus. Dieser Bakteriophagen produziert ein Lysin-Protein, welches speziell gegen Anthraxbakterien gerichtet ist, ihre Zellwand auflöst und sie so abtötet [1]. Solche von Viren produzierten Lysine gelten unter Mikrobiologen als mögliche neue Waffe gegen multiresistente Bakterien, die mit Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können.

Totes Zebra
Opfer des Milzbranderregers: Ein totes Zebra | Geier erfreuen sich an einem verendeten Zebra im Etosha Nationalpark in Namibia. Die Tiere fallen hier gelegentlich einer Infektion mit dem Anthrax-Bakterium zum Opfer.

Wissenschaftler um Jochen Klumpp von der ETH in Zürich und Wolfgang Beyer von der Universität Hohenheim hatten mit ihren Kollegen aus Übersee in Afrika nach unbekannten Viren gesucht. Fündig wurden sie in Bakterien, die im Etosha-Nationalpark in Namibia zirkulieren: Tiere wie etwa die Zebras sterben gelegentlich an einer Infektion mit dem Milzbranderreger Bacillus anthraceus. Der Keim bildet Sporen, die jahrelang in der Steppe überdauern, bis ein Tier sie mit der Nahrung aufnimmt. Aus zwei Zebrakadavern isolierten die Forscher nun Bakterien, die mit dem neuen Bakteriophagen namens Tsama infiziert waren.

Tsama-Virus
Tötet Anthraxbakterien: Das Tsama-Virus | Das in toten Zebras aufgespürte Tsamsa-Virus infiziert und tötet als typischer Bakteriophage Bakterien – wie zum Beispiel den Milzbranderreger. Mit seinem 440 Nanometer langen Schwanzanhang und einem Kopfstück von 82 Nanometern im Durchmesser gehört das Virus auch zu den größten bis dato isolierten Vertretern seiner Verwandtschaft.

Das Tsama-Virus ist ein recht großes Virus und besteht wie Vertreter seiner Verwandten, der Siphoviren, aus einem langen, schlauchartigen Schwanzstück und einem recht breiten Kopf; auch das Erbgut des Bakteriophagen ist auffällig umfangreich. Die Gene des Virus kodieren unter anderem für ein Lysinprotein, das die Wand verschiedener Bacillus-Arten mehr oder weniger stark angreift. Vor allem wirkt es dabei aber gegen den Milzbrandkeim B. anthraceus, wie ein Vergleich der Forscher ergab. Weniger stark werden auch die eng verwandten Arten B. cereus und B. thuringiensis angegriffen. Spezifisch nur gegen bestimmte Bakterien wirksame Lysine aus Bakteriophagen werden von Forschern gesucht, weil sie womöglich als Medikamente gegen bakterielle Erreger dienen können [2]. Ob dies in der Praxis funktioniert, muss allerdings in klinischen Tests erst noch bestätigt werden.

5. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 5. KW 2014

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