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Verschollene Arten: Westafrikas letzter großer Regenwald gibt Geheimnis preis

Der Tai-Nationalpark in der Elfenbeinküste gehört zu den letzten Regenwäldern der Region. Fachleute beobachteten dort nun einen Vogel, der bislang kaum dokumentiert wurde.
Ein bunter Vogel sitzt auf einem Ast in einem dichten, grünen Blätterdach. Der Vogel hat ein leuchtend orangefarbenes Gefieder mit gelben und schwarzen Akzenten. Die Umgebung ist ein üppiger Wald mit vielen Blättern und Zweigen, die das Bild füllen.
Der Orangebauch-Raupenfänger (Lobotos lobatus) lebt hoch oben im Kronenraum des Regenwalds.

Tropischer Regenwald bedeckte einst weite Teile Westafrikas, doch Landwirtschaft, Abholzung und die Umwandlung in Kakaoplantagen haben davon lediglich zerstückelte Reste übrig gelassen. Zu den größten Refugien zählt der Tai-Nationalpark in der südwestlichen Elfenbeinküste, der wegen seiner werkzeugbenutzenden Schimpansen berühmt ist. In diesem Ökosystem entdeckte nun ein Team um Stephanie Bartlett und Paulo Ditzel von der International Bird Conservation Partnership (IBCP) einen Vogel wieder, der zu den am wenigsten erforschten Arten Westafrikas gehört: Der Orangebauch-Raupenfänger (Lobotos lobatus) ist nur von einer Handvoll Beobachtungen bekannt und wurde zuvor letztmals zu Beginn der 2010er-Jahre in Ghana gesichtet. Das berichtete der IBCP in einer Mitteilung.

Für ihre Feldforschung mussten Bartlett und Co tief in den Nationalpark vordringen, um möglichst weit weg von menschlichen Einflüssen zu gelangen. Tagelang bahnten sie sich dazu den Weg durch das Dickicht und über kaum querbare Flüsse, bis sie in wirklich unbeeinflusste Regenwaldgebiete gelangten – Teile des Tai sind wegen der schwierigen Bedingungen sogar praktisch nicht erreichbar, weshalb hier Arten überleben konnten, die in weiten Bereichen Westafrikas bereits ausgestorben sind. 

Vor Ort im Umfeld einer alten Forschungsstation für Schimpansenbiologie angekommen, dauerte es aber tatsächlich bloß zehn Minuten, bis Paulo Ditzel den Orangebauch-Raupenfänger im Geäst eines Regenwaldbaums ausmachte. Seiner Kollegin gelang es dann, das erste gute Foto der Art überhaupt zu machen – sowie die ersten Videoaufnahmen. Bis der Rest der Expeditionstruppe am Beobachtungsort ankam, war der Vogel bereits wieder verschwunden.

Die im weiteren Sinne mit Rabenvögeln und Würgern verwandten Tiere halten sich normalerweise im oberen Kronenraum des Regenwalds auf, wo sie in gemischten Schwärmen mit anderen Arten Jagd auf Insekten machen. Dabei verhalten sie sich ziemlich still und rufen nur selten; darum existieren auch keine Tonaufzeichnungen der Orangebauch-Raupenfänger. All dies erschwert die Beobachtung der Art, sodass es sehr viel Glück braucht, sie ausfindig zu machen. 

Um den Fund bei ihrem Vorgesetzten beim IBCP zu melden, mussten die Wissenschaftler ziemlich improvisieren: Im dicht bewaldeten Tai ist der Mobilfunkempfang notorisch schlecht. Bartlett und Ditzel schossen ein Seil ins Geäst eines geeigneten Baums, zogen daran eine Plastikflasche nach oben, in der sich ihr Handy befand, und warteten dann, bis das Telefon ein schwaches, aber ausreichendes Signal empfing, um ihre Nachricht zu versenden.

Obwohl er im Nationalpark nachgewiesen wurde, ist die Zukunft des Vogels unsicher, ebenso wie die der Schimpansen und Waldelefanten: Die Expeditionsteilnehmer entdeckten zahlreiche Spuren von Wilderei, illegaler Holzkohlegewinnung, Goldabbau und weidendem Vieh. Der Lebensraum schrumpft also auch im Schutzgebiet weiter.

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