Vögel: Junge Birder entdecken gleich drei verschollene Arten

Im April 2026 machten sich die niederländischen Ornithologen Casper Leygraaf, Cornel Schepers, Joep Duijvestijn und Danny Bregman auf eine besondere Expedition: Nach tagelanger Anreise per Flugzeug, Auto und zu Fuß hatten sie ihr Zielgebiet in den Bergen der Insel New Ireland im Bismarck-Archipel erreicht; sie wollten dort nach verschiedenen Vogelarten suchen, die teilweise seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr beobachtet worden waren. Am Ende gelang ihnen etwas, was noch keinem anderen Team auf der Suche nach verschollenen Vögeln geglückt war: Sie beobachteten und dokumentierten insgesamt drei vermisste Spezies – den Dreifarbensperber (Tachyspiza brachyura), den Weißnackenlori (Lorius albidinucha) und den Neuirland-Lederkopf (Philemon eichhorni).
Das Team hatte für seine Reise ein Stipendium unter anderem von »Lost Birds« bekommen, einem Zusammenschluss verschiedener Organisationen, welche die Suche nach vermissten Vogelarten vorantreiben und wissenschaftlich begleiten. Dadurch konnten die vier Teilnehmer überhaupt erst in die entlegene Hans-Meyer-Range auf New Ireland reisen, wo sie gleich an ihrem ersten Morgen in den Bergen den Weißnackenlori entdeckten: eine intensiv rot und grün gefärbte Papageienart, die zuvor letztmals 2008 nachgewiesen worden war. Wenig später gelang es ihnen in noch größerer Höhe des Gebirges, den Neuirland-Lederkopf zu beobachten und zu fotografieren, von dem es seit 2012 keine Beobachtung mehr gegeben hatte.
Doch damit endete ihre Glückssträhne an diesem Tag noch nicht: Während einer Pause später am Morgen flog ein kleiner Greifvogel nahe der Gruppe in einen Baum. Ursprünglich hatte nur Bregman den Vogel bemerkt und fotografiert. Beim Zoom in das Bild benachrichtigte er aufgeregt seine Kollegen, die schließlich bestätigten, dass es sich um den 1994 zum letzten Mal dokumentierten Dreifarbensperber handelte. Dieser gehört zu den am wenigsten erforschten Greifvögeln der Erde. Zusätzlich zu den Bildern konnten die Expeditionsmitglieder auch noch die Rufe des Loris und des Lederkopfs aufzeichnen und damit weitere Lücken schließen: Beide Arten gehören zu der sehr kleinen Anzahl an Vögeln, von denen diese Daten nicht vorlagen.
Für ihre Beobachtungen mussten die vier Niederländer ziemliche Strapazen auf sich nehmen. Unter anderem erlebten sie ein sehr heftiges Gewitter, das beinahe ihre gesamte technische Ausrüstung zerstörte. Möglich war die Exkursion übrigens nur mit Einwilligung der zunächst skeptischen lokalen Bevölkerung, die sich aber am Ende laut Mitteilung mit den vier Ornithologen mitfreute. Bisherige Besuche von Naturtouristen beschränkten sich bislang meist auf das leichter zugängliche Tiefland, wo jedoch weite Teile des Regenwalds abgeholzt und durch Ölpalmen ersetzt wurden. Dank der Entdeckungen könnten zahlungskräftige Vogelbeobachter zukünftig mithelfen, die Hochlagen der Inseln zu schützen, hoffen die Beteiligten.
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