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Naturklänge: Welcher Vogel singt am schönsten?

Vogelgesang gehört zu den positivsten Eindrücken, die wir in der Natur erfahren können. Aber welche seiner akustischen Merkmale bestimmen, was wir als angenehm empfinden? Ein Team der Uni Tübingen hat sich das mal genauer angeschaut.
Ein schwarzer Vogel sitzt auf einem mit Moos bedeckten Ast in einem grünen Wald. Der Vogel hat den Schnabel geöffnet, als ob er singt. Im Hintergrund sind unscharfe Blätter und Zweige zu sehen, die eine natürliche Umgebung andeuten.
Der Gesang der Amsel (Turdus merula) ist für viele Menschen ein besonderer Quell der Freude.

Wenn man Menschen nach den wichtigsten Quellen für Erholung in der Natur fragt, dann landet das Gezwitscher von Singvögeln ganz oben. Kein Wunder, denn Vogelgesang tut nachweislich der Seele gut: Er lenkt unsere Aufmerksamkeit weg von psychischen Belastungen, vermittelt das Gefühl von Sicherheit, aktiviert den Parasympathikus und lindert Stress – allerdings nur, wenn das Geträller als angenehm empfunden wird. Aber welche akustischen Merkmale definieren, ob wir einem Vogel gerne lauschen?

Fachleute der Universität Tübingen haben analysiert, welchen Einfluss verschiedene klangliche Charakteristika wie Tonhöhe oder Komplexität eines Vogellieds auf die menschliche Wahrnehmung haben. Ihre Ergebnisse publizierten sie in »Frontiers in Bird Science«.

Das Team um Christoph Randler und Nadine Kalb lud 84 Probanden (davon 68 Prozent weiblich) in ihr Labor ein und spielte ihnen jeweils 15-sekündige Tonaufnahmen von 123 heimischen und bei uns weitverbreiteten Vogelarten vor. Die Freiwilligen wurden gebeten, jeden einzelnen Gesang beziehungsweise Ruf auf einer Skala von eins bis fünf zu bewerten – je höher, desto angenehmer. Außerdem wurden sie danach befragt, wie gut sie ihre ornithologischen Kenntnisse einschätzten.

Im Mittel bewerteten sie die Aufnahmen mit einem Wert von knapp über drei als angenehm. Die beste Note erhielt die Amsel, am wenigsten mochten die Teilnehmenden den schrillen Ruf der Schleiereule. Gut schnitten zum Beispiel auch Mönchsgrasmücke oder Nachtigall ab. Menschen, die Vögel grundsätzlich mehr schätzten, neigten auch dazu, ihren Gesang als wohltuender zu bewerten. Keinen Einfluss hatte hingegen die Fähigkeit der Probanden, Vögel an ihrem Aussehen oder Gesang zu erkennen.

Die Wissenschaftler analysierten anschließend die Vogelsounds hinsichtlich Amplitude (Lautstärke), Frequenz (Tonhöhe), Komplexität (Anzahl und Vielfalt der Elemente) sowie Bandbreite des Frequenzbereichs – und deren Einfluss auf die Ratings der Probanden. Vogelstimmen in eher hohen Tonlagen, aber moderater Lautstärke sowie mit wenig Frequenzwechseln wurden als besonders angenehm empfunden, ebenso komplexes Gezwitscher. Jene Aufnahmen, die am besten bei den Teilnehmenden ankamen, vermieden zudem Frequenzbereiche, für die das menschliche Gehör besonders empfindlich ist (2 bis 5,5 Kilohertz). 

»Wir könnten darauf programmiert sein, variablere Klänge mit moderaten Amplituden und Tonhöhen zu bevorzugen, weil sie eine sichere, gesunde und erholsame Umgebung signalisieren, in der wir uns entspannen können«, sagte Nadine Kalb von der Uni Tübingen in einer Pressemeldung. Im Folgenden wollen die Fachleute untersuchen, wie Veränderungen der Biodiversität, etwa der Verlust von Arten, die menschlichen Naturerfahrungen beeinflussen.

  • Quellen

Kalb, N. et al., Frontiers in Bird Science 10.3389/fbirs.2026.1794594, 2026

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