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Virologie: Vogelgrippe: Genanalyse und Impfstoff

US-Forscher haben ein Protein im Vogelgrippe-Virus H5N1 entdeckt, das für die hohe Infektiösität der Erreger verantwortlich sein könnte: Das Protein NS1 weist eine Reihe von Aminosäuren an einem Ende auf, die sich in der infizierten Zelle an Rezeptoren binden und dadurch etliche Schlüsselfunktionen lahm legen. Menschliche Grippe-Erreger besitzen NS1 zwar auch. Doch der Version beim Menschen fehlt die Aminosäuren-Kette, die Vogelgrippe-Viren ganz offensichtlich als Waffe nutzen, berichten John Obenauer und Kollegen vom St.-Jude-Kinderkrankenhaus in Memphis [1].

H5N1Laden...
H5N1 | Das Virus H5N1, isoliert am amerikanischen Seuchenkontrollzentrum in Atlanta
Das Team hatte 2196 Gene aus 169 verschiedenen Vogelgrippe-Erregern sequenziert, die von 1976 bis 2004 bei zahlreichen Arten freier Vögel sowie Haushühnern und anderem Zuchtgeflügel isoliert wurden, und ihre genetischen Eigenschaften mit denen menschlicher Grippeviren verglichen. Zusätzlich setzten die Forscher ein von ihnen entwickeltes und "Proteotyping" genanntes Verfahren ein, bei dem die Geninformation in Proteine umgeschrieben wird. Indem sie sich auf Unterschiede in den Aminosäuren der viralen Proteine konzentrierten, konnten die Forscher winzigste Veränderungen im Erbgut der Erreger aufspüren, die bei den bisher üblichen Verfahren leichter übersehen werden. Das Ergebnis, das in der Gen-Bank des National Center for Biotechnology Information öffentlich zugänglich gemacht werden soll, verdoppelt nach Angaben der Forscher die bisher verfügbaren genetischen Daten von H5N1.

Währenddessen hat eine Arbeitsgruppe der Universität Pittsburgh einen Impfstoff gegen Vogelgrippe entwickelt: Die Forscher um Andrea Gambetti hatten hierzu die Erbinformation für das Protein Hämagglutinin des H5N1-Stammes in Adenoviren eingeschleust und mit diesen genetisch veränderten Viren Mäuse und Hühnerküken immunisiert. Tatsächlich produzierten die Versuchstiere Antikörper gegen das virale Protein und waren vor eine Infektion mit H5N1 geschützt [2].
28.01.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 28.01.2006

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