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Aviäre Influenza: Vogelgrippe-Impfstoff auf Virenbasis entwickelt

Wissenschaftler des amerikanischen Seuchenkontrollzentrums haben einen Impfstoff entwickelt, der Mäuse erfolgreich vor einer Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus schützt. Die Forscher um Suryaprakash Sambhara hatten dafür ein verbreitetes Erkältungsvirus genetisch so verändert, dass es eine Komponente des auch für den Menschen gefährlichen H5N1-Subtypus herstellte. Diese Methode ermöglichte es, Impfstoff wesentlich schneller und in größeren Mengen zu gewinnen.

Normalerweise werden Vakzine erzeugt, indem ein Virenstamm in befruchteten Hühnereiern gezüchtet, daraus isoliert, gereinigt und abgetötet wird. Allerdings dauert es dadurch mindestens ein halbes Jahr, bis genügend Impfstoff für die 1,2 Milliarden Menschen hergestellt wäre, die als Hochrisikogruppe bei einer Grippe-Pandemie gelten. Da der befürchtete Auslöser einer solchen weltweiten Seuche, der Vogelgrippe-Erreger des Subtyps H5N1, in Geflügel aber hoch virulent ist, könnte der Nachschub an befruchteten Hühnereiern zudem zum Problem werden.

Sambhara und seine Kollegen schleusten daher in das Erbgut eines Adenovirus, das normale Erkältungen auslöst, die Bauanleitung für das Hämagglutinin Subtyp 5 ein, das auch Bestandteil von H5N1 ist. Als sie Mäuse damit immunisierten und anschließend mit beim Menschen gefundenen Vogelgrippe-Erregern infizierten, blieben die Tiere gesund und verloren noch nicht einmal an Gewicht.

Die Nager hatten dabei kaum oder sogar keine Antikörper gegen das Virus entwickelt, die so genannte humorale Immunantwort blieb also gering. Dafür entdeckten die Forscher aber eine zelluläre Immunantwort: Spezifische T-Zellen hatten das Virus offenbar erfolgreich bekämpft.

H5N1 infiziert normalerweise nur Vögel und Schweine, 1997 konnte der Subtyp jedoch in Hongkong auch bei Menschen nachgewiesen werden. Laut WHO haben sich seit dem Jahr 2003 inzwischen mindestens 160 Menschen mit dem Virus infiziert, von denen 85 starben. Die Ansteckung erfolgt über den engen Kontakt zu infizierten Tieren, eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich. Da Viren untereinander Erbgut austauschen können, fürchten Mediziner jedoch eine neue, gefährliche Variante, wenn das Vogelgrippe-Virus im Körper auf ein humanpathogenes Grippevirus trifft – aus dem Genmix könnte dann der Erreger einer globalen Epidemie hervorgehen.
03.02.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 03.02.2006

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