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Aviäre Influenza: Vogelgrippe-Impfstoff zeigt Wirkung bei Menschen

Ein experimenteller Impfstoff gegen den H5N1-Erreger löst eine entsprechend schützende Immunantwort bei Menschen aus, ohne dass er besondere Nebenwirkungen hervorruft. Sein einziger bislang bekannter Nachteil: Die wirksame Dosis ist zwölfmal so groß wie jene gegen herkömmliche Grippeviren und stellt die produzierenden Firmen vor Kapazitätsengpässe.

Getestet wurde der Wirkstoff an 451 Freiwilligen unter Aufsicht von John Treanor von der Universität Rochester [1]. Die Teilnehmer wurden dazu in fünf Gruppen aufgeteilt, die unterschiedliche Konzentrationen der Vakzine oder ein Placebo gespritzt bekamen. Grundlage des Mittels war ein 2004 in Vietnam isolierter Vogelgrippestamm. Allerdings erreichten nur Personen mit der höchsten Impfstoffkonzentration (180 Mikrogramm, verteilt auf zwei Dosen) eine ausreichende Menge Antikörper in ihrem Blut, um auch gegen eine Infektion mit H5N1 gewappnet zu sein – etwas mehr als fünfzig Prozent wären hier geschützt gewesen. Je weniger die Probanden von dem Mittel verabreicht bekamen, desto geringer fiel auch der Anteil immuner Testteilnehmer aus: Erhielten sie nur zwei 45-Mikrogramm-Spritzen, sank der Anteil auf 43 Prozent der Gruppe, bei dreißig Mikrogramm war nur noch ein Fünftel geschützt und bei 15 Mikrogramm sogar nur noch ein knappes Zehntel.

Die Standardimpfungen gegen Influenza beinhalten generell jedoch nur zwischen 15 und 45 Mikrogramm, was ausreicht, da der Großteil der Bevölkerung schon mal mit Grippe in Kontakt gekommen war und deshalb über ähnlich geartete Antikörper verfügt. Mit den vorhandenen industriellen Kapazitäten können in diesen Fällen deswegen 900 Millionen Menschen versorgt werden, eine Zahl. die sich durch die Besonderheiten des H5N1-Wirkstoffs auf weniger als ein Zehntel reduziert. Deshalb wollen verschiedene Forschergruppen nun den Testimpfstoff mit einem Immunabwehr stärkenden Mittel "strecken", um diesen Engpass etwas auszugleichen. Auch dieses Mittel wird gegenwärtig bereits an 1200 Menschen getestet, aber noch liegen keine Ergebnisse vor. Zudem soll die nächste Generation dieser Impfstoffe gegen mehrere Varianten des H5N1-Virus helfen, da der Erreger eine hohe Mutationsrate hat.

In einer weiteren Studie von Jiahai Lu von der Sun-Yat-Sen-Universität im chinesischen Guangzhou zeigten die Wisenschaftler, dass Antikörper aus Pferden mit H5N1 infizierte Mäuse vor dem Vogelgrippetod bewahren [2]. Hundert Mikrogramm des Serums reichten aus, dass alle Mäuse trotz einer unter normalen Umständen für sie tödlichen Dosis an Viren 24 Stunden nach der Infektion nicht starben. Selbst die Hälfte des Mittels bewahrte noch siebzig Prozent der Tiere vor ihrem Schicksal. Lu und seine Kollegen sehen in diesen Antikörpern eine Möglichkeit für Impfstoffe bei Menschen.
31.03.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 31.03.2006

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