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Aviäre Influenza: Vogelgrippe-Übertragung auf Menschen häufiger als gedacht?

Bei einer umfassenden Studie in Vietnam haben schwedische Forscher festgestellt, dass durch den Kontakt mit an Vogelgrippe erkrankten oder toten Tieren wohl weitaus häufiger Menschen mit den Viren angesteckt werden als bislang vermutet. Frauen, sehr junge und sehr alte Menschen und Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status sind dabei besonders gefährdet. Hühnerhaltung an sich spielte hingegen keine Rolle für das Risiko, grippeähnliche Symptome zu entwickeln.

Die Forscher um Anna Thorson vom Karolinska-Institut in Stockholm hatten über 45 000 Personen in Nordwest-Vietnam zu grippeartigen Krankheitssymptomen und Kontaktmöglichkeiten mit Federvieh sowie dessen Erkrankungen befragt. In dem Distrikt kursiert seit 2003 das hochpathogene H5N1-Virus, das inzwischen auch Europa erreicht hat. Vietnam ist von der momentanen H5N1-Variante am stärksten betroffen: Bereits 87 Menschen haben sich nachweislich mit dem Erreger infiziert, 38 starben daran.

Den Daten zufolge berichteten 18 Prozent der Befragten grippeähnliche Symptome – eine Kombination von Husten und Fieber –, 84 Prozent lebten in Haushalten mit Federvieh-Haltung, und bei 26 Prozent hatte es im Haushalt erkrankte oder gestorbene Vögel gegeben. Direkter Kontakt mit diesen Tieren entpuppte sich als stärkster Risikofaktor, selbst an einer Art Grippe zu erkranken. Die Wissenschaftler leiten daraus ab, dass weit mehr Menschen als gedacht mit dem H5N1-Erreger infiziert werden, aber nur milde Symptome zeigen.

In Europa haben die Behörden inzwischen in einem Außenbezirk von Istanbul bei Hühnern Vogelgrippe festgestellt. Ob es sich um den Virustyp H5N1 handelt, wurde nicht bekannt gegeben. Vergangene Woche waren drei Kinder in der Osttürkei an der aggressiven Vogelgrippe-Variante gestorben. In Deutschland wurden die Kontrollen an Flughäfen und von Reisebussen verschärft, um die illegale Einfuhr von rohem Geflügelfleisch oder Federn zu verhindern.
10.01.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 10.01.2006

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