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Vogelschätzung: Auf der Erde leben 50 Milliarden Vögel

Wie schafft man es, die Gesamtzahl aller Vögel zu bestimmen? Mit Hilfe der Daten unzähliger Vogelbeobachter präsentiert ein Team nun eine Schätzung.
Vier Rotkopfsäbelschnäbler (Recurvirostra novaehollandiae) am Strand des Fitzgerald-River-Nationalpark in Western AustraliaLaden...

Nur vier wild lebende Vogelarten weltweit gehören in den »Milliardenclub«, wie es das Team um Corey Callaghan vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle – Jena – Leipzig nennt: Diese Arten haben jeweils mehr als eine Milliarde Individuen. Die meisten anderen der untersuchten 9700 Vogelarten (von insgesamt etwa 10 600 Spezies) auf der Welt sind dagegen selten, schreiben die Wissenschaftler in einem Fachbeitrag im Magazin »PNAS«. Zwölf Prozent der Arten zählen gar weniger als 5000 Individuen.

Das sind zwei Ergebnisse einer umfassenden Bestandsaufnahme der globalen Vogelpopulation. Insgesamt, so schätzen Callaghan und Kollegen, gibt es auf der Erde rund 50 Milliarden wild lebende Vögel. Um auf diesen Wert zu kommen, analysierten sie die auf der Online-Plattform eBird hinterlegten Daten. Dort haben mehr als 600 000 Amateurvogelbeobachter eingetragen, wann sie wo welche Vogelart gesehen haben. Für die Hochrechnung kalkulierte das Team um Callaghan dann beispielsweise ein, wie »auffindbar« eine Vogelart ist. Seltene, aber interessante Vögel sind öfter das Ziel der »Birder«, wie sich die Vogelfans selbst nennen, deshalb sind sie in den Datenbanken tendenziell überrepräsentiert. Häufige Vögel sind dagegen oftmals keine Eintragung wert, wodurch sie in den Daten eher zu selten vertreten sind.

Acht Prozent der Vogelarten blieben bei der Berechnung ganz außen vor, weil nicht genug Daten vorlagen. Jene Vögel sind jedoch so selten, dass sie an der Gesamtzahl nur wenig ändern, zumal sich diese ohnehin vorrangig aus den Populationsgrößen weniger, besonders häufiger Arten ergibt.

Die Daten stammen aus den Jahren 2010 bis 2019. Ein Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es, dieselbe Bestandsaufnahme in den kommenden Jahren immer wieder durchzuführen. So hoffen sie, gerade bei den seltenen Arten auf eventuelle Bestandsrückgänge aufmerksam zu werden.

Die Angehörigen des »Milliardenclubs« sind übrigens allesamt auch in Deutschland verbreitet – mit einer Ausnahme: Von den 1,2 Milliarden Ringschnabelmöven verschlägt es nur wenige nach Europa, ihr eigentliches Verbreitungsgebiet ist der nordamerikanische Kontinent. Ganz anders die 1,6 Milliarden Haussperlinge (auch einfach Spatz genannt), die 1,3 Milliaden Stare und die 1,1 Milliarden Rauchschwalben. Diese Arten leben auch in Europa und gehören zu den häufigsten Arten Deutschlands. Zudem kann die Studie Verzerrungen enthalten, denn eBird-Nutzer sind in Nordamerika und Europa verglichen etwa mit Afrika überrepräsentiert. In der Studie wird beispielsweise der Rotschnabelweber (Quelea quelea) aus Ostafrika nicht erwähnt, der zumindest zeitweise als häufigste Vogelart der Erde galt und der in Teilen des Verbreitungsgebietes als gefiederter »Heuschreckenplage« betrachtet wird. Sein Gesamtbestand beträgt mehrere hundert Millionen Tiere; sogar Werte von bis zu 1,5 Milliarden Individuen wurden schon geschätzt.

Eine Vogelart allerdings hat das Team um Callaghan nicht in seine Berechnungen einbezogen: Gallus gallus domesticus, das Haushuhn. Die Zahl der Hühner weltweit stellt die aller anderen Vogelarten weit in den Schatten. Es gibt aktuell etwa 25 Milliarden Hühner auf der Welt. Anders gesagt: Die tatsächliche Gesamtzahl liegt bei rund 75 Milliarden Vögeln, wovon jeder dritte ein Haushuhn ist.

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