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Ornithologie: Vogelzug: Kein Nonstop-Flug über die Sahara

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Auf ihrem Flug über die Sahara legen Singvögel tagsüber Pausen ein, statt die Wüste in einem Zug zu überqueren: Statt knapp zwei Tage benötigen sie drei bis fünf Nachtetappen. Das berichtet eine Gruppe um Heiko Schmaljohann von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach.

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Rastender Teichrohrsänger | Rastender Teichrohrsänger: Der erschöpfte Vogel trinkt aus einer Tasse der Sempacher Vogelzugforscher.
Bisher vermuteten viele Forscher, dass die Tiere den unwirtlichen Lebensraum in einem rund vierzig Stunden langen Dauerflug durchqueren. Tatsächlich passieren die Zugvögel die Wüste jedoch bevorzugt nachts und pausieren tagsüber, wie die Ornithologen mittels Radarüberwachung in Mauretanien beobachteten. Dies gilt vor allem für den herbstlichen Weg nach Süden, da die Tiere dann in geringen Flughöhen von teilweise nur hundert Metern ziehen, um den Rückenwind durch die aus Nordost wehenden Passate – eine relativ flache Luftströmung – auszunutzen.

Diese sind jedoch trocken und warm, sodass die Vögel während der ohnehin heißen Tagesstunden lieber rasten, um Wasser zu sparen – selbst wenn dies einen Aufenthalt auf reinen Sandflächen bedeutet. Die Hitze bedingt zudem konvektiven Aufstieg der Luft, was wiederum zu Turbulenzen führt, die den Energieverbrauch beim Flug erhöhen könnten. Trotz der Verzögerung und obwohl die Tiere während der Pausen weder Nahrung noch Flüssigkeit aufnehmen, ist Rasten daher für sie günstiger, als ununterbrochen zu fliegen, um schneller an ihre Ziele in West- und Zentralafrika zu gelangen.

Im Frühjahr dagegen finden nach den neuen Erkenntnissen rund zwanzig Prozent der Flüge auch während der Tagesstunden statt. Dann versuchen die Vögel den nun entgegen der Flugrichtung blasenden Winden zu entgehen, indem sie in Höhen zwischen zwei und vier Kilometer ausweichen, wo der Passat keinen Einfluss mehr hat. Gleichzeitig sind diese Bereiche kühler und feuchter, was den Flüssigkeitsverlust vermindert. Über Europa und anderen gemäßigten Regionen verfolgen die Vögel eine "periodische" Flugstrategie, bei der sie – auch in Abhängigkeit vom aktuellen Wetter – nachts fliegen und tagsüber rasten und fressen. Denn vor der Überquerung der Wüste müssen sich die Vögel ein Fettpolster zulegen: Ein normalerweise 8 bis 10 Gramm schwerer Fitis etwa verdoppelt sein Körpergewicht vor dem Abflug.

Allein rund vier Milliarden Zugvögel machen sich jährlich auf den Weg ins afrikanische Winterquartier oder ins europäische Brutrevier, so Schmaljohann. Dazu kommen noch Millionen Greifvögel, Störche oder Segler. (dl)
14.12.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 14.12.2006

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