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News: Vom Forschen gezeichnet

Männer in weißen Kitteln, mit Rauschebärten und wilden Haartrachten - so stellen sich Nichtforscher den typischen Wissenschaftler vor. In den USA werden jetzt Strategien entwickelt, Wissenschaft populärer zu machen. Die Möglichkeiten reichen bis hin zu einer Art Pinup-Kalender mit attraktiven Forschern.
Stellen Sie sich doch einmal einen Naturwissendchaftler vor. So, nun löschen Sie das Bild Einsteins vor Ihrem inneren Auge und versuchen es noch einmal. Da Sie diese Zeilen lesen, sind Sie unter Umständen selber Wissenschaftler und haben daher ein Bild von sich selbst produziert. Außer wenn Sie männlich sind und einen weißen Laborkittel tragen, stehen ihre Chancen nicht so gut, dem Bild zu entsprechen, das viele Leute von einem Naturwissenschaftler haben. Wie die meisten Menschen sich Forscher vorstellen, war das Thema einer Studie mit dem Titel „Probing Stereotypes trough Students` Drawings of Scientists” (Untersuchung der Stereotypen in studentischen Zeichnungen von Naturwissenschaftlern), veröffentlicht in der Augustausgabe des American Journal of Physics. Jrène Rahm von der University of Colorado in Boulder und Paul Charbonneau vom National Center for Atmospheric Research fassen in ihrem Artikel auch frühere Studien zum Thema „Das Bild des Wissenschaftlers in der Öffentlichkeit” zusammen.

Science berichtete im Jahre 1957 über 35.000 amerikanische High-School-Schüler, die gebeten wurden, einen typischen Naturwissenschaftler zu beschreiben. Die häufigsten Antworten lauteten: „Ein Mann, der einen weißen Kittel trägt und in einem Labor arbeitet...manchmal hat er einen Bart, er kann unrasiert und ungekämmt sein...das strahlend weiße Labor funkelt und ist voller Geräusche: blubbernde Flüssigkeiten in Reagenzgläsern...das Gemurmel des Forschers...er schreibt fein säuberlich in schwarze Notizbücher.”
Diese Beschreibungen beruhen offensichtlich auf völlig falschen Vorstellungen: Die meisten Notizbücher würden begabte Kryptologen, vielleicht sogar so manchen Apotheker zur Verzweiflung treiben. Das Murmeln kommt wahrscheinlich eher von einem Diplomanden, der hofft, daß er sich am Samstag abend zumindest für die Dauer einer Partie Dame wegschleichen kann. Und das Labor hat das letzte Mal gefunkelt, als seine Habitanten die Phlogiston-Theorie entwickelt haben.

1983, fast dreißig Jahre später, wurde eine Studie in Science Education veröffentlicht. Mehr als 4.800 Kinder im Grundschulalter wurden aufgefordert, ihr Bild eines Naturwissenschaftlers zu Papier zu bringen. Die überwiegende Zahl der Kinder stellte sich einen Mann mit Laborkittel und einer sehr schmückenden Struwelpeter-Frisur vor. Diese Stereotypen tauchen bei den Zweitklässlern auf und sind auch das Lieblingsbild der meisten Fünftklässler.

Rahm und Charbonneau befürchten, daß diese öffentliche Schiefsicht Studierende von den naturwissenschaftlichen Fächern fernhält. Und so dehnten sie ihr „Zeichne einen Naturwissenschaftler”-Experiment auf 49 Lehramts-Studierende im Grund- und Hauptstudium aus – also auf die nächste Generation von Lehrern. Von diesen älteren und erfahreneren Studierenden erwarteten sie eine größere Spannweite von Zeichnungen. Dennoch blieb die überwiegende Mehrheit bei dem Mann im weißen Kittel: 70 % der abgebildeten Wissenschaftler mußten eine Brille tragen, 58 % einen Laborkittel und 52 % waren bärtig oder hatten extravagante Frisuren – ein lächerlich kleiner Anteil, der wohl zu gering ist, um die MTV-Generation zu begeistern. Nur 16 % der dargestellten Personen waren mit Sicherheit weiblichen Geschlechts.

Einige Studierende bemühten sich um einen grundständigen Versuch, indem sie von bekannten Persönlichkeiten ausgingen: „Wir hatten zwei Versionen von Einstein und – was uns mehr beunruhigt hat – zwei von Groucho Marx (einem US-amerikanischen Komiker aus den 30er und 40er Jahren und der Frühphase des Fernsehens).”

Obwohl es nicht Ziel dieser Studie war, zu klären, ob die Stereoptype über Naturwissenschaftler Studierende abschrecken, zeigt sich Charbonneau besorgt: „Wenn jeder glaubt, daß Naturwissenschaftler verschrobene Typen sind, wird sich doch jeder denken: So ein Fach werde ich nicht studieren, so will ich nicht auch werden.”

Ein Versuch, das Image von Naturwissenschaftlern (nur der männlichen, aber immerhin) aufzupolieren, ist der Studmuffins of Sience-Kalender (etwa: „Die Sahnestücke der Wissenschaft”) – eine Art Pinup-Kalender mit geistig hochtrainierten Modellen. Darin werden die beeindruckenden Bizepse von Muskelprotzen mit Doktortitel präsentiert. „Ich würde so etwas nicht machen”, kommentiert Charbonneau das öffentliche Muskelspiel, „aber es ist der Versuch, zu zeigen, daß es Wissenschaftler gibt, die so gut wie die wichtigsten Personen in der Gesellschaft aussehen – wie Schauspieler. ”

Einen anderen Versuch stellen die sogenannten trading cards dar (in den USA unter Kindern und Jugendlichen beliebte Tausch-und-Sammel-Bilder), die berühmte Wissenschaftler zeigen und einige Angaben zum Leben und Wirken der Personen auflisten. Leider ist mit Marie Curie nur eine einzige Frau vertreten, und die muß ihre Karte auch noch mit ihrem Mann Pierre teilen. Aber immerhin es ist der erste Schritt auf den Tag zu, an dem Jugendliche eine Karte mit Christiane Nüßlein-Volhard nicht mehr für einen Jürgen Klinsmann eintauschen würden. Einen Elfmeter zu verwandeln ist cool. Die Genetik der Embryonalentwicklung zu verstehen ist cool und wichtig.

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