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News: Von Federn, Vögeln und Dinosauriern

Stammen die Vögel von Dinosauriern ab oder nicht? Entwickelten kleine Baumsaurier die Flugkunst oder waren es schnelle, am Boden lebende Dinosaurier? Wissenschaftler streiten über diese Fragen schon lange. Neue Fossilienfunde liefern den Forschern jetzt neues Diskussionsmaterial: Ein Kleinsaurier, der vor 124 Millionen Jahren vielleicht auf Bäumen lebte und das fehlende Bindeglied zwischen größeren, fleischfressenden Dinosauriern und dem Urvogel Archaeopterix sein könnte. Ein weiteres Fossil deutet darauf hin, dass sich Vogelfedern aus Saurierschuppen entwickelt haben.
Viele Paläontologen sind sich sicher, dass der Ursprung der Vögel bei den Dinosauriern zu finden ist. Sie verweisen auf die großen Ähnlichkeiten zwischen dem Urvogel Archaeopteryx und den Theropoden, den auf zwei Beinen laufenden, fleischfressenden Sauriern, die vor 230 bis 64 Millionen Jahren lebten. Einige Wissenschaftler widersprechen dieser Theorie wegen einiger Unstimmigkeiten. Sie konnten ihre Argumente aber nicht mit Fossilien belegen, bis im Juni 2000 mit dem Fund des "Nichtsauriers" Longisquama insignis ein anderer möglicher Vorfahre der Vögel auftauchte. Jetzt stellt der Paläontologe Xing Xu vom Institute of Vertebrate Paleontology and Paleoanthropology in Peking einen neuen Fossilfund vor, der wiederum die Abstammung der Vögel von den Dinosauriern bekräftigt (Nature vom 7. Dezember 2000).

Xing entdeckte das Fossil in einem Bauernhaus in Nordost-China, dessen Besitzer der ursprüngliche Finder war. Es handelt sich um ein ausgewachsenes Tier von der Größe einer Krähe mit gebogenen Krallen – wie bei Vögel, die Bäume bewohnen und auf Ästen sitzen. Das Tier hat einen langen gestreckten Schwanz und weist Strukturen auf, welche der Wissenschaftler als Federn deutet. Er nannte das Tier Microraptor zhaoianus. Es ist der kleinste bisher bekannte Vertreter der Theropoden und lebte vor 124 Millionen Jahren.

"Der Fund hat die morphologische Lücke zwischen Dinosauriern und Vögeln weiter eingeengt", sagt Xing. Doch sein Kollege Paul Barrett von der University of Oxford ist kritischer: "Das neue Tier zeigt eine Reihe von Veränderungen an Hüft- und Schwanz-Knochen sowie den Zähnen, die auf eine Stellung zwischen fortschrittlichen, fleischfressenden Dinosauriern und Vögeln hinweist. Außerdem deuten aber einige anatomische Spezialisierungen an den Füßen darauf hin, dass dieses Tier auf Bäumen lebte", erklärt er. "Das widerspricht dem, was die meisten Wissenschaftler von der Evolution der Vögel denken." Denn das neue Fossil belebt eine ältere Idee, nach der Vögel von Baumbewohnern abstammen, die ihre Flugkunst entwickelten, indem sie sich von Bäumen gleiten ließen.

Ein weiteres Fossil wirft nun auch neues Licht auf die Entstehung der Vogelfedern. Entwickelten sie sich vielleicht aus Schuppen, wie Longisquama nahelegte? Diese Theorie scheint nun auch ein neuer Fund aus dem chinesischen Yixian-Gebirge zu bestätigen. Die Paläontologen Fucheng Zhang und Zhonghe Zou stießen bei ihren Ausgrabungen auf einen Protopteryx fengningensis, die primitivste Art in der Gruppe der so genannten Enantiornithinen, weit verbreiteten Vögeln der Kreide-Zeit. Diese entwickelten sich parallel zu den modernen Vögeln, sind jedoch inzwischen ausgestorben.

Der Protopteryx stammt aus der frühen Kreide-Zeit und war etwa so groß wie heutige Stare. Seine Federn deuten die beiden Forscher als die Vorstufe zu heutigen Vogelfedern (Science vom 8. Dezember 2000). Fucheng und Zhonghe geben an, dass der kleine Vogel die Federn in erster Linie zur Isolierung seines Körpers genutzt hätte, aber auch für zaghafte Flugversuche. Nach diesem Fund unterscheiden die beiden Wissenschaftler bei der Evolution der Vogelfedern vier Schritte: Erst hätten sich die Schuppen verlängert, dann einen Mittel-Schaft ausgebildet und an diesem wären darauf Seitentriebe entstanden. Schließlich hätte sich an diesem Gerüst ein Netz vieler kleiner Triebe entwickelt. Demnach haben sich also die Vogelfedern vor mehr als 100 Millionen Jahren aus langen Saurierschuppen entwickelt.

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