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News: Von Grashüpfern, die laut wie ein Preßlufthammer flirten

Kommunikationssignale, die fast 100 Dezibel laut - also so laut wie ein Preßlufthammer - sind und bis zu zwei Kilometer weit gehört werden können, sowie insgesamt sechs Paar Hörorgane sichern das Überleben der afrikanischen Heuschrecke. Da aber nur die Männchen fliegen können, müssen die Weibchen auf deren Lockgesänge antworten, um damit den Paarungsanwärtern den richtigen Weg zu sich zu weisen.
Unterstützt vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) hat Heiner Römer vom Zoologieinstitut der Universität Graz die Flirtstrategien dieser außergewöhnlichen Heuschreckenart untersucht.

Während die in Europa ansässigen Heuschreckenarten nur über ein, dafür aber sehr fein entwickeltes Hörorgan am ersten Segment des Hinterleibes verfügen, weist die afrikanische Heuschrecke gleich sechs davon auf. Das erste, dem europäischen Pendant vergleichbare Paar, besteht aus bis zu 2 000 Sinneszellen, die restlichen fünf aus jeweils nur zehn oder elf.

Die "Ohren" der europäischen Verwandten haben dagegen etwa 100 Sinneszellen, funktionieren aber bereits mit einer Art Trommelfell, das bei den afrikanischen Heuschrecken fehlt. Sie sind eine Zwischenstufe der Evolution, die mit einem eigentlich primitiver ausgebildeten Gehör erstaunliche Leistungen vollbringt. "In Experimenten zur Schallübertragung haben wir fesgestellt, daß die afrikanischen Heuschrecken erstens nur in der Nacht ihre Flirtgesänge ausschicken und, daß sie zweitens dabei auch auf die Wetterlage achten. Wenn die Luft am Boden kühler als die höheren Luftschichten ist und sich erst etwas höher wieder kalte Luft bildet, wird ihr Lockruf in einer Art Schalltunnel eingeschlossen. Die Schallwellen bleiben so in Bodennähe und können Distanzen bis zu zwei Kilometer erreichen", erklärt Römer eines seiner Untersuchungsergebnisse.

Die in der Fachsprache Bullacris membracoides genannten Heuschrecken leben in sehr verschiedenen ökologischen Umgebungen des südafrikanischen Raumes – im Regenwald, aber auch in der Wüste. Mit ihren lauten Kommunikationssignalen und dem guten Gehör sichern sie ihr Überleben und die Durchmischung der verschiedenen Populationen, die bis zu 30 Kilometer voneinander entfernt angesiedelt sein können. Die Tiere sind extrem schwer zu finden, da sie sehr spezifisch auf ganz bestimmten Nahrungspflanzen leben und sehr gut getarnt sind.

"Für unsere Arbeit ist es uns gelungen, einige Exemplare im Labor larven zu lassen und rund sechs Wochen am Leben zu erhalten", erläutert Römer. "Es wäre sehr interessant, in einem Folgeprojekt eine stammesgeschichtliche Untersuchung dieser Heuschreckenfamilie durchzuführen und festzustellen, inwieweit die natürliche Umgebung mit der Entwicklung der Hörorgane korreliert. Aber auch ein Vergleich der Flirt- und Überlebensstrategien verschiedener Arten, z.B. mit der im panamaischen Regenwald lebenden und massiv von Fledermäusen bedrohten Heuschrecke, wäre sehr aufschlußreich."

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