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News: Von klein auf klare Sicht

Die Ursache für die schnelle Verbesserung der Sehkraft nach der Geburt war bisher nicht ganz geklärt. Untersuchungen an Kindern mit angeborenem Grauen Star lösten nun das Rätsel: Nicht die Entwicklung des Gehirns ist ausschlaggebend, sondern einfach die Tatsache, daß die Säuglinge ihre Augen benutzen. Eine frühzeitige Behandlung der Sehbehinderung kann so die Chancen auf ein mehr oder weniger normales Leben für die Kinder erhöhen.
Die Wissenschaftler von der McMaster University, dem The Hospital for Sick Children und der University of Toronto untersuchten 28 Babies im Alter von einer Woche bis zu neun Monaten mit schwerem Grauen Star in einem oder beiden Augen. Die getrübten Linsen der Kinder wurden operativ entfernt und durch Kontaktlinsen ersetzt. Unmittelbar nach dem Einpassen der Kontaktlinsen wurde die Sehkraft der Kleinen mit einer speziellen Karte für Augen untersucht.

Zunächst entpuppte sich die Sehkraft der Kinder als vergleichbar mit der von Neugeborenen, obwohl das Gehirn schon weiter entwickelt war. Schon nach einer Stunde jedoch konnten die Babies deutlich klarer sehen. Innerhalb eines Monats entwickelte sich ihre Sehkraft sehr viel schneller als normal, was ihre ihre Sehbehinderung deutlich verringerte (Science vom 1. Oktober 1999).

"Grauer Star ist der Verlust der Lichtdurchlässigkeit, der sich in der natürlichen Linse im Auge ausbildet", erklärt Alex Levin, der Leiter der Studie. "Wenn diese Katarakte sehr dicht sind, dann ist es, als ob man durch Wachspapier schaut. Es kann sogar noch schlimmer sein: Licht kann noch durchdringen, aber man kann keine Umrisse mehr erkennen. Um den Katarakt zu entfernen, müssen wir die gesamte Linse herausnehmen. Dadurch kann das Auge aber die Lichtstrahlen, die nun ungehindert eintreten, nicht mehr fokussieren. Die sehr starken Kontaktlinsen übernehmen diese Aufgabe."

Aus den Ergebnissen ergeben sich einige Folgerungen für die Behandlung dieser Erkrankung, die bei immerhin einem von 1000 bis 4000 Neugeborenen auftritt. Wenn die Operation zu spät erfolgt, könnte es vorkommen, daß das Gehirn nicht mehr fähig ist, das Sehen mit dem betroffenen Auge zu erlernen. Bei einem erfolgreichen frühzeitigen Eingriff jedoch – womöglich sogar in der ersten Lebenswoche – können die Kinder doch noch eine so gute Sehkraft entwickeln, daß sie ein annähernd normales Leben führen können.

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