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News: Von Ratten und Menschen

Seefahrer sind - und vor allem waren - selten einsam. Jedenfalls nicht, wenn sie kleine, zarte Wesen mit glänzendem Haar und blitzenden dunklen Augen mochten - Ratten. Sie begleiteten häufig auch die Seeleute, die vor etwa 3 500 Jahren zum ersten Mal die polynesischen Inseln umsegelten. Jetzt benutzten Wissenschaftler die Erbsubstanz ihrer Nachkommenschaft, um den menschlichen Wanderbewegungen auf diesen sagenumwobenen Inseln auf die Spur zu kommen.

Bisher stützten sich Anthropologen hauptsächlich auf linguistische und archäologische Hinweise, um eine Karte der menschlichen Wanderbewegungen im prähistorischen Polynesien (Karte, 442KB) zu erstellen. Eine genetische Analyse der heutigen Inselbewohner ist schwierig – zum Teil auch, weil europäische Krankheiten die Bevölkerung am Ende des 19. Jahrhunderts dezimierten. Allerdings reisten auf den meisten Kolonisierungsfahrten polynesischen Ratten mit – als blinde Passagiere oder willkommene Gefährten und Nahrungslieferanten. Und deren Nachkommen sind gesund und munter. Daher beschlossen Lisa Matisoo-Smith und ihre Kollegen von der University of Auckland, die genetischen Beziehungen zwischen Ratten verschiedener Inseln zu untersuchen. Sie untersuchten ein 450 Basenpaare umfassendes Stück mitochondrialer DNA. Die DNA dieser Zellorganellen mutiert mit einer konstanten Rate, unabhängig vom Druck der natürlichen Auslese und ermöglicht so zeitliche Rückschlüsse.

Die Forscher faßten die Ratten auf der Basis genetischer Ähnlichkeiten in Gruppen zusammen. Ihre Ergebnisse bestätigten einige weitverbreitete Vorstellungen über die polynesische Migration. Danach hatten die meisten der frühen Polynesier eine gemeinsame Heimatregion aus mehreren Inseln, während eine oder zwei Gruppen isoliert lebten. Ratten von den Southern Cook Islands und den Society Islands waren in vielen Gruppen verbreitet. Das stützt die Annahme, daß dieses Gebiet eine Art Heimatregion war, von der aus die Menschen andere Inseln bereisten. Eine Ausnahme bildeten die Ratten von Chatham Island, die eindeutig zu einer einzigen Verwandtschaftsgruppe gehören. Matisoo-Smiths Ansicht nach bekräftigt dies, daß diese Nager nach einer anfänglichen Besiedlung der Insel isoliert lebten.

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