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Paläontologie: Vorfahr des Teufels fraß Schnecken

Ein fossiles Säugetier aus Australien besaß ein besonderes Gebiss - und gehört zu einer völlig neuen Beuteltierfamilie. Es war wohl Vorfahr des Beutelteufels.
Malleodectidae - ein ausgestorbenes Beuteltrier aus Australien

Die Riversleigh-Höhle im Norden Australiens ist eine reiche Fundgrube für Paläontologen. Nun können sie der langen Liste an Entdeckungen eine weitere hinzufügen: Malleodectes mirabilis, der "wundersame Hammerbeißer", so die ungefähre Übersetzung seines Namens – ein Beuteltier, das vor rund 10 bis 15 Millionen Jahren gelebt hat und ein bislang von australischen Säugern nicht bekanntes Gebiss besaß. Das Raubtier hatte besondere, hammerförmige Zähne, mit denen es wohl Schnecken als Hauptnahrung knackte. Heute besitzen noch einige Echsenarten der Region derartige Beißwerkzeuge, die auf Gehäuse tragende Weichtiere spezialisiert sind, so Mike Archer von der University of New South Wales und seine Kollegen. Die Merkmale des gefundenen Unterkiefers und anderer Knochen sind so einzigartig, dass die Art sogar einer eigenen neuen Familie zugewiesen wurde. Die fossilen Überreste stammten wahrscheinlich von einem Jungtier – erkennbar an einem Teil der Zähne, unter denen sich neue Beißer heranschoben –, das in die Höhle fiel und sich nicht mehr daraus befreien konnte. Zu den nächsten lebenden Verwandten der ausgestorbenen Linie gehören Fleisch fressende Beuteltiere wie der Beutelteufel und der Ameisenbeutler, auch Numbats genannt.

Schon früher gruben Wissenschaftler in der Höhle teils bizarre Bestandteile der frühen australischen Fauna aus, darunter ein Känguru namens Balbaroo fangaroo mit Reißzähnen, die spechtartigen Thingodonta, die mit den Zähnen Baumrinden abhobelten, um Insekten aufzuspüren, und Krokodile, die sich bei der Jagd wahrscheinlich aus Bäumen fallen ließen. Die meisten der Fossilien stammen aus dem Miozän vor 10 bis 20 Millionen Jahren, als dieser Teil Australiens noch deutlich feuchter war als heute. Das damalige Ökosystem glich eher dem immerfeuchten Regenwald Amazoniens oder Südostasiens, während heute offene Baumsavannen dominieren. Der Klimawandel am Ende des Miozäns sorgte wahrscheinlich dafür, dass viele der Arten ausstarben.

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