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Amerika: Vorkolumbischer Floßbau

Die Bewohner Südamerikas befuhren mit ihren Flößen schon vor mehr als tausend Jahren die Pazifikküste von Chile bis Westmexiko – lange bevor die ersten Europäer den Kontinent betraten. Das beweisen frühe Berichte und Zeichnungen der Eroberer. Doch über den exakten Aufbau der Flöße und das Handelssystem war bislang kaum etwas bekannt.

Ein Team um Leslie Dewan vom Massachusetts Institute of Technology machte sich daran diese Lücken durch einen Nachbau und Computeranalysen zu schließen. Ihren Berechnungen zu Folge dauerte die bis zu 7 000 Kilometer lange Fahrt sechs bis acht Wochen. Allerdings war sie nur zu bestimmten Jahreszeiten möglich, weshalb die Besatzung gezwungen war, mehrere Monate an ihrem Ziel zu verweilen. In dieser Zeit fand ein intensiver Technologietransfer statt, vor allem auf dem Gebiet der Metallverarbeitung. Das belegen Silber- und Bronzeschmuck, Pinzetten und andere Werkzeuge, die sich in den Anden und in Mittelamerika auffällig ähneln, so die Forscher. Insgesamt konnte jedes Floß etliche Tonnen der verschiedensten Waren transportieren.

Für die Reise schuf man ein ungewöhnliches Wasserfahrzeug. Sein biegsamer Mast erlaubte es, das Segel je nach den Windverhältnissen zu spannen oder zu lockern. Kielbretter hielten das Floß nicht nur stabil, sondern dienten gleichzeitig als Steuer. Am auffälligsten aber ist das extrem leichte und weiche Balsa-Holz, das nur in Ecuador heimisch ist. Freilich zieht es Holzwürmer magisch an, die das Gefährt in kürzester Zeit zerfressen, wenn es an Land liegt. Die Simulationen der Wissenschaftler zeigen aber, dass ein Floß immerhin zweimal von Chile nach Westmexiko fahren kann, bevor es ersetzt werden muss.

Cindy Franke

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