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Australopithecus afarensis: Vormensch Lucy stürzte in den Tod

Unsere Australopithecus-Ahnen konnten schon recht gut auf zwei Beinen laufen - aber vielleicht eben deshalb nicht mehr klettern wie ein Äffchen. Das wurde womöglich der berühmten Lucy zum Verhängnis.
Gebrochene Knochen von LucyLaden...

Vor gut drei Millionen Jahren ist in Afrika ein Vormensch vom Baum gefallen, berichten John Kappelman von der University of Texas und seine Kollegen: "Lucy", das berühmteste Exemplar des Australopithecus afarensis, starb dabei und brach sich die Knochen so gründlich, dass dies auch heute noch zu erkennen ist. Womöglich lebten und kletterten Lucy und ihre Artgenossen – einzelne tragische Todesfälle außer Acht gelassen – überhaupt recht routiniert in Bäumen, spekulieren die Forscher nun über die Lebensweise der afrikanischen Vormenschen.

Tödlicher SturzLaden...
Tödlicher Sturz | Anhand der sicher nicht post mortem eingetretenen Frakturen am Skelett von Lucy lässt sich der Hergang des Sturzes rekonstruieren. Sie ist demnach offenbar aus großer Höhe auf beide Beine gefallen und hat dann noch versucht, sich mit dem Arm abzustützen. Es ist sehr gut möglich, konstatieren Anatomen, dass Lucy den Sturzverletzungen am Ende erlag.

Kappelmans Team hatte aus forensischem Interesse das bekannteste Skelett eines A. afarensis im Computertomografen untersucht, um Millionen Jahre nach dem Aussterben der Spezies Rückschlüsse auf die einstige Todesursache des Individuums Lucy zu finden. Eindeutig zeigen die Knochen dabei die typischen Spuren von Verletzungen, wie sie Mediziner auch heute noch bei aus großen Höhen zu Tode gestürzten Menschen finden. Die Schäden unterscheiden sich deutlich von Veränderungen am Skelett, die erst nach dem Todeszeitpunkt eintreten; also etwa während der langen Zeit, in der die Knochen unter der Erde verschüttet versteinerten. Typische Bruchspuren sind beispielsweise in erwartbaren Abschnitten des Oberschenkelknochens zu erkennen; zudem zeigen Frakturen im Oberarmknochen, dass Lucy versucht zu haben scheint, den Aufprall mit dem ausgestreckten Arm zu bremsen, eine charakteristische Reaktion abstürzender Menschen.

Das 3,18 Millionen Jahre alte Skelett von Lucy – insgesamt besteht der Fund aus 47 aller 207 Knochen eines A. afarensis – ist 1974 in Äthiopien entdeckt und ausgegraben worden. Der zu Lebzeiten mit einem Meter Körpergröße ausgewachsene Frühmensch hatte Anthropologen lange vor allem fasziniert, weil er sich bereits gut aufrecht auf zwei Beinen fortbewegen konnte. Trotzdem verbrachten diese Australopithecinen womöglich auch lange Zeit weiterhin in Bäumen: Sicherlich um sich dort nachts oder auf der Flucht vor Raubtieren in Sicherheit zu bringen, womöglich auch auf Nahrungssuche. Zu Lebzeiten von Lucy war der Fundort im heutigen Äthiopien eine Savannenlandschaft mit einzelnen durchaus hohen Bäumen, wie Untersuchungen nahelegen. Heutige Schimpansen klettern in ähnlichen Habitaten hoch hinaus und legen Schlafnester in bis zu rund 20 Metern über dem Boden an – was auch bei ihnen im Fall eines Missgeschickes zu tödlichen Stürzen führen kann. Lucy und ihre Artgenossen waren mit der Fähigkeit, auch auf dem Boden längere Strecken auf zwei Beinen zu bewältigen, anders als Schimpansen aber keine ausschließlichen Kletterspezialisten mehr – was ihnen offenbar gelegentlich zum Verhängnis geworden ist.

35/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 35/2016

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