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Besser Vorsorgen: Was passiert bei einer Lungenspiegelung?

Wie Luftröhre, Kehlkopf und die Bronchien von innen aussehen, beurteilen Mediziner bei einer Lungenspiegelung. Wann wird die Untersuchung durchgeführt? Wie läuft sie ab? Ist eine Vollnarkose nötig?
Instrumente für die Lungenspiegelung

Wenn das Atmen schwerer fällt oder der Husten nicht aufhören will, sollte die Lunge näher untersucht werden. Dazu können Ärztinnen und Ärzte ein Röntgen- oder CT-Bild der Lunge von außen erstellen – oder sie schauen sich das Organ mit einem beweglichen Schlauch direkt von innen an.

Die Lungenspiegelung, in der Fachsprache Bronchoskopie oder Lungenendoskopie genannt, dient dazu, die Luftröhre und das Innere der Bronchien in den Lungenflügeln genauer anzuschauen. »Bronchus« bedeutet Luftröhrenast, die Endung »skopie« steht in der Medizinersprache für eine optische Untersuchung.

Serie: »Besser vorsorgen«

Krebsvorsorge, Früherkennung, Check-up – es gibt viele Untersuchungen, die Gesunde regelmäßig wahrnehmen sollten. Denn vorsorgen ist besser als nachsorgen. Wir erklären die gängigsten Methoden und beantworten die wesentlichen Fragen: Wozu ist die Untersuchung gut? Was macht die Ärztin, worauf achtet der Arzt? Und tut das weh?

Wozu ist die Untersuchung gut?

Eine Lungenspiegelung ist die wichtigste Diagnosemethode bei Verdacht auf Lungenkrebs. Die Fachleute empfehlen eine Bronchoskopie zudem zur Abklärung anderer Atemwegserkrankungen, zum Beispiel bei chronischem Husten, Bluthusten oder einer Lungenentzündung. Zudem können Ärzte mittels Bronchoskopie Gewebeproben und Flüssigkeit aus der Lunge gewinnen, die sie im Labor unter anderem auf Blut, Bakterien oder bösartige Zellen untersuchen lassen. Neben der reinen Untersuchung dient die Bronchoskopie den Medizinern auch als Behandlungsmethode: Sie können Blutungen stillen, Schleim absaugen und die Bronchien bei Asthma und Bronchitis durchspülen. Engstellen in den Bronchien werden mit einem Implantat offen gehalten und Fremdkörper aus der Luftröhre entfernt, etwa wenn sich ein Kind verschluckt hat.

Wie läuft die Lungenspiegelung ab?

Heute findet die Bronchoskopie zumeist ohne Vollnarkose statt. Kurz vor der Untersuchung bekommen die Patienten aber ein Spray, das den Rachen betäubt. Ziel ist es, den Würge- und Hustenreiz zu unterdrücken, der umgehend einsetzt, sobald der Arzt das Bronchoskop einführt. Die meisten Patienten erhalten zusätzlich ein Schlafmittel. Während der Untersuchung liegen sie bequem auf einer Liege auf dem Rücken.

Sobald die Medikamente wirken, schiebt der Arzt einen biegsamen Schlauch, das Bronchoskop, vorsichtig in den Mund oder die Nase des Patienten ein. Von dort bewegt er es durch den Kehlkopf und die Luftröhre und bis in die großen Bronchien, die sich weiter verzweigen. Das drei bis sechs Millimeter dicke Bronchoskop ist mit einer Kamera und einer Leuchte bestückt und passt sich den Verästelungen der Atemwege an. Diese so genannte flexible Bronchoskopie hat die starre Bronchoskopie weitgehend abgelöst: Dass unter Vollnarkose ein Rohr in die Bronchien geschoben wird, ist nur noch selten nötig.

Die Kamera an der Spitze des Bronchoskops sendet ihre Livebilder an einen Monitor, den der Arzt während der Untersuchung stets im Blick hat. Dadurch kann er die Schleimhäute gründlich begutachten. Über das Bronchoskop kann er winzige Zangen oder Bürsten einführen, um gegebenenfalls eine Gewebeprobe zu entnehmen. Zudem kann das Gerät eine Spüllösung in die Lunge einlassen oder Flüssigkeit heraussaugen, die im Labor untersucht wird.

Hat er alles gesehen, zieht der Arzt den Schlauch vorsichtig zurück. Manchmal ist eine Bronchoskopie schon nach fünf Minuten erledigt. Die Untersuchung kann aber auch eine halbe Stunde in Anspruch nehmen – je nachdem, warum sie stattfindet und was zu tun ist.

Woran müssen Patienten denken?

Eine Bronchoskopie sollte in einer Klinik oder bei einem Facharzt für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Lungen- und Bronchialheilkunde stattfinden. Schon am Tag vor dem Eingriff ist auf Rauchen zu verzichten. Zur Untersuchung sollte der Patient nüchtern erscheinen – das heißt, dass er sechs bis acht Stunden vor Untersuchung nichts mehr essen und spätestens zwei Stunden vor der Lungenspiegelung auch kein Wasser mehr trinken darf. Andernfalls steigt das Risiko, den sauren Mageninhalt einzuatmen und das Lungengewebe zu verletzen. Auch nach der Bronchoskopie sind Essen, Trinken und Rauchen für etwa zwei Stunden tabu: Solange der Rachen noch betäubt ist, kann man sich schnell verschlucken.

Die Arztpraxis oder Klinik können Patienten kurz nach der Untersuchung wieder verlassen. Wer ein Schlafmittel bekommen hat, sollte sich abholen lassen oder mit dem Taxi nach Hause fahren. Eigenständig ein Fahrzeug zu lenken, ist am Tag der Untersuchung nicht erlaubt, weil die Reaktionsfähigkeit durch das Schlafmedikament eingeschränkt ist.

Gibt es Nachteile einer Bronchoskopie?

Wie fast alle Untersuchungsmethoden ist eine Bronchoskopie mit gewissen, aber grundsätzlich geringen Risiken verbunden. Fachleute bewerten die Untersuchung deshalb als sicher. Manchmal verletzt der Arzt das umliegende Gewebe mit dem Bronchoskop leicht. Dann kommt es zu leichten Blutungen in der Nase oder Lunge, die harmlos sind und von selbst aufhören. Sehr seltene größere Verletzungen behandeln die Ärzte noch während der Untersuchung. Werden bei der Untersuchung die Lungenbläschen verletzt, fällt der betroffene Lungenflügel in sich zusammen. Dieses als Pneumothorax bekannte Krankheitsbild kommt nur sehr selten vor – wenn, dann ist aber ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Nach einer Bronchoskopie verspüren einige Menschen ein Kratzen im Hals oder klingen heiser. Diese Beschwerden vergehen nach kurzer Zeit. Manche Patienten bekommen im Nachhinein Fieber, vor allem, wenn bei ihnen eine Spülung durchgeführt worden ist. Bei Menschen mit schwachem Herzen, akutem Herzinfarkt, Blutgerinnungs- oder Lungenfunktionsstörungen sollte eine Bronchoskopie nur stattfinden, wenn sie unerlässlich ist. Sie haben ein größeres Risiko für Komplikationen.

Wer bezahlt Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen?

Ob Baby oder Greis – ein Leben lang übernehmen die Krankenkassen die Kosten für zahlreiche Früherkennungs- und Vorsorgechecks. Das bedeutet, die Untersuchungen sind für Patienten kostenlos. Einen Überblick, wer wann Anspruch auf welche Untersuchung hat, hat der Gemeinsame Bundesausschuss zusammengestellt. Untersuchungen, die Patienten selbst bezahlen müssen, heißen Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL. Zu den beliebtesten zählen zum Beispiel die Messung des Augeninnendrucks, eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke oder ein großes Blutbild. Der IGeL-Monitor vom »Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen« hat sich zum Ziel gesetzt, die verschiedenen IGeL wissenschaftlich zu bewerten, damit Patienten sich gut informiert für oder gegen eine bestimmte Untersuchung entscheiden können.

Wie geht es weiter?

Um sicherzugehen, dass sie die Bronchoskopie gut überstanden haben, behalten viele Fachärzte ihre Patienten nach der Untersuchung für rund zwei Stunden in der Praxis oder der Klinik. Manchmal berichten die Mediziner schon direkt nach der Spiegelung, wie die Lunge von innen aussieht. Andernfalls wird ein Folgetermin vereinbart, bei dem die Untersuchungsergebnisse und das weitere Vorgehen abhängig von der Diagnose besprochen werden. Sollen Experten in einem Labor eine Gewebeprobe oder Bronchialsekret untersuchen, dauert es ein paar Tage, bis das Ergebnis vorliegt.

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