Waldbrände: Die Meuchelspinne hat wider Erwarten überlebt

Die australische Waldbrandsaison 2019/20 ging als »schwarzer Sommer« in die Geschichtsbücher ein: Riesige Flächen an Wald- und Buschland gingen in Flammen auf und zerstörten beispielsweise in New South Wales fast 40 Prozent der vorhandenen Nationalparkflächen. Besonders stark betroffen war auch Kangaroo Island, wo Brände ebenfalls riesige Naturflächen heimsuchten. Viele Wissenschaftler fürchteten daher um das Überleben zahlreicher endemischer Arten, die nur auf der Insel vorkommen – etwa der Kangaroo-Island-Meuchelspinne (Zephyrarchaea austini), deren damals bekanntes Verbreitungsgebiet nur wenige Hektar umfasste. Doch die winzigen Achtbeiner haben nicht nur die Feuersbrünste überlebt, vielmehr konnte bei Nachsuchungen sogar eine bislang völlig unbekannte Population der Tiere ausfindig gemacht werden. Das gab der Threatened Species Commissioner auf sozialen Medien bekannt.
Meuchelspinnen sind eine sehr alte Spinnenfamilie, die bereits seit 50 Millionen Jahren existiert. Ihren martialischen Namen bekamen die Tiere wegen ihrer verlängerten Kiefernklauen, mit denen sie auch anderen Spinnen nachstellen. Die Kangaroo-Island-Meuchelspinnen sind nur wenige Millimeter groß und verbergen sich vor allem in der Laubstreu am Boden, weswegen sich die Suche nach ihnen sehr mühsam gestaltet. Ein Team der Naturschutzorganisation Invertebrates Australia durchsiebte daher vorsichtig Blätter und Streu in potenziellen Lebensräumen der Art und ermittelte auf diese Weise immerhin neun Individuen, darunter auch ein Weibchen, das Eier mit sich trug und sich daher hoffentlich erfolgreich fortpflanzte.
Besonders erfreulich war es für die Beteiligten, dass acht der Tiere an einem Ort nachgewiesen wurden, an dem bislang keine bekannte Population der Achtbeiner bekannt war. Das Verbreitungsgebiet könnte daher deutlich größer sein, hoffen die Ökologen, denn das würde die Überlebenschancen der Art beträchtlich erhöhen.
Nach den verheerenden Waldbränden 2019/20 hatten viele Biologen befürchtet, dass einige Wirbellosen- oder Pflanzenarten durch die nahezu vollständige Vernichtung ihrer Lebensräume ausgestorben sein könnten. Während manche Spezies weiterhin als verschollen gelten, konnten andere tatsächlich wiederentdeckt werden und Schutzmaßnahmen ergriffen werden, etwa bei einer auffällig gefärbten Nacktschnecke aus der Gattung Triboniophorus, die nur auf dem ebenfalls betroffenen Mount Kaputar vorkommt.
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