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Waldbrände in Frankreich: Warum Bordeaux gefährdet ist

Die Waldbrände an der französischen Atlantikküste sind außer Kontrolle; die Großstadt Bordeaux ist in Gefahr. Welche Rolle spielt das brennende Ökosystem selbst, das Wetter und eine Besonderheit von derartigen Großfeuern? Die Faktenlage.
Eine Waldbrandszene mit intensiven Flammen, die Bäume auf der linken Seite des Bildes erfassen. Dichte Rauchwolken steigen in den Himmel. Auf der rechten Seite stehen mehrere Feuerwehrfahrzeuge auf einer Straße, umgeben von Feuerwehrleuten, die den Brand bekämpfen. Die Szene ist in warmen Orangetönen gehalten, die die Dramatik des Feuers betonen.
Feuerwehren versuchen verzweifelt die Waldbrände an der französischen Atlantikküste wie hier im Departement Gironde einzudämmen.

Es ist wohl eine Katastrophe mit Ansage: Die Waldbrände in Frankreich an der Atlantikküste sind außer Kontrolle und bewegen sich inzwischen auf die Großstadt Bordeaux zu. Am 25. Juli 2026 waren die ersten Ausläufer nur noch 30 Kilometer von der Metropole entfernt, und die Behörden denken über die Evakuierung der Metropole oder zumindest von Teilen davon nach. Bereits jetzt sind im Großraum Bordeaux und im nahegelegenen Departement Landes rund 197 000 Menschen – Einheimische wie Touristen – evakuiert worden. Das Militär soll helfen, die Brände einzudämmen. Doch was begünstigte diese Feuer und warum konnten sie sich zu diesem gigantischen Brand auswachsen?

Das Wetter

2026 ist in Frankreich bislang von Wetterextremen geprägt: Der Juni war der wärmste in Westeuropa seit Beginn moderner Aufzeichnungen (und der zweitwärmste weltweit). Diese Hitzewelle folgte nur wenige Wochen nach einer besonders intensiven Hitzewelle im Mai. Anfang Juli folgte eine weitere Phase mit außergewöhnlich hohen Temperaturen. Die Juni-Hitzewelle stellte in mehreren europäischen Ländern neue Monats- und Allzeit-Temperaturrekorde auf und führte zu erheblichen gesundheitlichen Folgen, darunter hitzebedingte Todesfälle. 

Begleitet wurde die Hitze von einer weitverbreiteten Trockenheit, die zusammen mit extremer Hitze die Waldbrandgefahr erhöhte – besonders auf der Iberischen Halbinsel und im Süden Frankreichs. Sie verschärfte die Situation ausgetrockneter Böden in West- und Mitteleuropa, die sich bereits während der ersten Phase hoher Temperaturen im Mai abgezeichnet hatte. Gleichzeitig war der Winter zuvor regional sehr feucht, was die Vegetation zuerst begünstigt und zu kräftigem Wuchs beigetragen hat. Die anschließende Dürre trocknete dann das Pflanzenkleid aus, was die potenzielle Brandlast weiter erhöhte.

Der Wald

Vor den Toren Bordeaux’ erstreckt sich eines der größten Waldgebiete Westeuropas – oder besser gesagt: eine der größten Holzplantagen des Kontinents. Der »Forêt des Landes« bedeckt auf rund 10 000 Quadratkilometern in den Departements Landes und Gironde. Ursprünglich existierten hier Sümpfe und Moore, und es sollte ein temperierter Laub- oder Laubmischwald wachsen. Doch heute besteht der »Wald« zu 90 Prozent aus Seekiefern (Pinus maritimus). Sie ist im westlichen Mittelmeerraum und angrenzenden Gebieten weitverbreitet und wird forstwirtschaftlich intensiv genutzt. 

Feuer in Frankreich |

Blick vom Strand von Arcachon auf den Waldbrand von Lege Cap-Ferret: Längst ist der Brand außer Kontrolle und frisst sich in Richtung Bordeaux. Bei sehr großen Bränden kann ein eigenes Feuerwetter entstehen, bei denen Wolken namens Pyrocumulus und Pyrocumulinimbus auftreten können, die das Feuer weiter anfachen.

Die Art besitzt einige Eigenschaften, die ihr das Überleben nach Bränden mit geringer Intensität ermöglichen, etwa eine dicke Rinde. Zudem verfügt sie über Fortpflanzungsmechanismen, die eine Regeneration nach stärkeren Feuern begünstigen: Die Samen werden freigesetzt, wenn die Hitze das Harz der Zapfen zerstört. Die Kiefern können also mit Feuern durchaus umgehen. Gleichzeitig sorgen die Bäume dafür, dass in den Plantagen die Brandlast mit der Zeit extrem anwächst: In den lichten Kiefernwäldern etwa wächst am Boden oft dichtes Gras, das bei Dürre rasch austrocknet. Dazu kommt die Streu aus langen Kiefernnadeln, die sehr schnell verbrennt und dabei viel Energie freisetzt, was die Ausbreitung des Feuers bis in den Kronenraum begünstigt. Laubbäume hingegen beschatten den Boden, unterdrücken so den leicht brennbaren Grasunterwuchs und wirken beim Abbrennen selbst deutlich feuerhemmender als Kiefernstreu. In den dichteren Laubwäldern herrscht ein feuchteres Binnenklima, das ebenfalls Brände hemmt.

Wird die potenzielle Brandlast, etwa der Nadelstreu, nicht durch gezielt gelegte, leichte Bodenfeuer regelmäßig beseitigt, reichert sie sich immer weiter an: Die Kiefernnadeln zersetzen sich schlecht und bilden eine dichte Schicht, die schnell austrocknet, sich leicht entzündet und schnell zu einem Flächenbrand beiträgt. Dieses Phänomen sorgte in Deutschland ebenfalls bereits für Flächenbrände, etwa in Brandenburg oder 2026 im Müritz-Nationalpark. Unter bestimmten Bedingungen kommt es dann rasch zu nicht mehr kontrollierbaren Großfeuern, die sich ihr eigenes Feuerwetter schaffen.

Das Feuerwetter

Wächst sich ein Feuer im Wald zu einem Großbrand aus, kann ein besonderes Phänomen entstehen: das Feuerwetter. Die Brände erzeugen dann ihr eigenes Wetter, das wiederum die Feuerintensität und -gefährdung erhöht. Die Gluten erhitzen den Boden, und heiße Luft steigt rasend schnell auf. Es bildet sich ein sogenannter Pyrocumulus oder sogar ein Pyrocumulonimbus – eine Wolke aus Asche und Rauch. An diesen Partikeln kondensiert Luftfeuchtigkeit aus der Atmosphäre sowie das beim Brand verdampfte Wasser aus der Vegetation, die bis in höhere Atmosphärenschichten reicht. Ab einer bestimmten Größe der Wolke kann diese Feuchtigkeit unter Umständen auch als Regen wieder ausfallen und das Feuer löschen – bei extremer Hitze wie jetzt in Frankreich und Kanada oder bei früheren Großbränden wie im »schwarzen Sommer« 2019/20 in Australien kommt dies aber nur selten vor.

Stattdessen heizen die Pyrocumulnimbuswolken die Feuer weiter an, da heftige Turbulenzen sie begleiten, deren Böen dem Brand Sauerstoff zuführen und Funken verbreiten. Durch elektrostatische Aufladung entstehen Blitze in der Wolke, die neue Brände entzünden. Der Feuersturm saugt zudem Luft an, die wie ein Föhn die Vegetation austrocknet und damit leichter entflammbar macht. Solche Feuer lassen sich unter den momentanen Wetterbedingungen kaum mehr stoppen: Die Wärmeleistung im Umfeld einer derartigen Wolke beträgt mehrere 10 000 Watt pro Meter der Feuerfront und liegt damit weit über dem, was Menschen bei der Bekämpfung aushalten können. Und auch aus der Luft kann keine Unterstützung mehr erfolgen: Die Hitze ist zu groß, der Aschegehalt zu hoch und die Turbulenzen zu stark, als dass ein Flugzeug hier einfliegen kann. Auch in Frankreich berichten die Piloten, dass das von ihnen abgeworfene Wasser selbst ohne Pyrocumuli oft nicht mehr den Boden erreicht, weil es in der Hitze direkt verdunstet. Nur weit im Vorfeld des Brandes können noch Gegenmaßnahmen ergriffen werden, etwa Brandschneisen anlegen oder die Vegetation anfeuchten.

Wald von Landes |

Beim Wald von Landes handelt es sich eher um eine Kiefernplantage. Die vorherrschenden Bäume sind gut an Feuer angepasst und begünstigen sie zugleich. Die Feuerwehr kann hier 2026 nur noch versuchen, den Brand einzudämmen, indem sie im Vorfeld die Vegetation vernässt oder Brandschneisen anlegt.

Der Faktor Mensch

Mehr als 90 Prozent der Waldbrände in Europa entstehen ursprünglich durch Menschenhand – absichtlich durch Brandstiftung oder ungezielt, weil Zigaretten achtlos weggeworfen oder Grillfeuer außer Kontrolle geraten. Das gilt zumindest für die Situation in Frankreich, wo dies statistisch erfasst wurde. Auch Arbeiten mit mechanischen Geräten oder an Stromleitungen können diese Feuer auslösen. Der Großbrand bei Bordeaux wurde laut »Tagesschau.de« nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft durch eine bei Arbeiten an einer Hochspannungsleitung eingesetzte Freischneidemaschine ausgelöst, deren Nutzung zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt war. »Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde zudem gegen zwei Männer wegen Gefährdung des Lebens anderer ermittelt, nachdem sie beim Rauchen in Waldgebieten ertappt worden waren. Bei einem von ihnen stellten Gendarmen demnach fest, dass er am Vortag neben seinem Lagerplatz einen Grill angezündet hatte«, so der Bericht weiter.

Deutlich seltener lösen dagegen natürliche Ursachen wie Blitze die Waldbrände aus. Sie spielen nur bei etwa fünf Prozent eine nachgewiesene Rolle. Eine Ausnahme bilden die oben genannten Großfeuer, die über selbst erzeugte »Feuergewitter« weitere Brandherde entstehen lassen können. Das initiale Feuer wird aber eben meist schon durch Menschen verursacht.

Der Klimawandel

Europa gehört laut der World Meteorological Organization zu den Regionen der Erde, die sich schneller und intensiver erwärmen als andere Gebiete. Seit Beginn moderner Wetteraufzeichnungen hat sich der Kontinent um durchschnittlich 2,3 Grad Celsius erwärmt. Damit einhergehen häufigere Wetterextreme. Das können Phasen intensiver Niederschläge mit anschließenden Überflutungen sein, aber auch Perioden extremer Trockenheit, wie sie seit dem Frühjahr 2026 in Westeuropa herrschen. Die Wahrscheinlichkeit für eine derartige Dürre im Frühjahr und Sommer ist in der betroffenen Region durch den Klimawandel um das 80-Fache gestiegen. Gleichzeitig wird die Trockenheit durch die hohen Temperaturen intensiver, da die Feuchtigkeit aus Böden und Vegetation schneller verdunstet. Das Risiko für intensive Waldbrände steigt also, da sich Feuerwetterlagen häufiger einstellen werden. Und sie wird auch zukünftig nicht mehr sinken, solange es feuerempfindliche Wälder gibt.

Die Aussichten

Sie sind für die letzte Juliwoche und bis in den August hinein verheerend. Alle Prognosen gehen sicher von der vierten Hitzewelle 2026 in Frankreich aus. Die Temperaturen sollen verbreitet wieder auf über 40 Grad Celsius steigen, Niederschläge sind nicht in Sicht, da blockierende Atlantikhochs immer wieder alle Tiefausläufer von Mittel- und Westeuropa fernhalten. »Es ist unvermeidlich. Alle Wettermodelle sind sich einig: Wir steuern darauf zu«, erklärte der Klimawissenschaftler Christophe Cassou, Forschungsdirektor am französischen CNRS, gegenüber der Zeitung »Le Monde«, der seine »Besorgnis« gegenüber der Presse nicht zurückhielt. Wie stark und wie lange diese Hitzewelle andauern wird, stehe zwar noch nicht fest, doch die Prognosen deuteten bereits auf eine schwere und lang anhaltende Episode hin. Für Bordeaux und Frankreich kann man wohl nur noch das Beste hoffen.

  • Quellen
  • Fernandes, P., Rigolot, E., Forest Ecology and Management 10.1016/j.foreco.2007.01.010, 2007
  • Fromm, M. et al., Nature 10.1038/s43247–022–00566–8, 2022

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